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Yoga tod vergaenglichkeit
Steffi Pereira via Unsplash

Yoga und der Tod: Das Geschenk der Vergänglichkeit

Von Katharina Goßmann

Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Tabu. Sich aktiv mit dem Tod auseinanderzusetzen, ist eine Herausforderung in einer Kultur, in der allein schon die Erwähnung des Wortes „Tod” bei vielen Menschen Fluchtgedanken aufkommen lässt. Dabei gibt es kaum etwas, das der eigenen Lebensqualität so zuträglich ist wie eine bewusste Konfrontation mit diesem großen, intensiven Thema – an dem ultimativ keiner von uns vorbei kommt.

Im Folgenden wollen wir verschiedene Aspekte der Sterblichkeit beleuchten: wie wir dankbar Abschied nehmen, mit der Ungewissheit des Todes umgehen lernen, was uns das finale Loslassen erleichtert. Und wie Yoga uns bei diesen Prozessen unterstützen kann.

Die Ungewissheit: Reinkarnation, Karma – und Dorian Gray

Im Yoga gibt es die These, dass jede unserer Seelen sich genau den Lebensweg – inklusive des Todeszeitpunkts – aussucht, auf dem wir am meisten lernen können, auf dem wir das meiste Karma abbauen können. Wenn wir dieser These glauben, sterben wir alle zum genau richtigen Zeitpunkt. Genau dann, wenn unsere Seele sich das gewünscht hat.

Theorien über die Zeit nach dem Tod

Ob diese Theorie richtig ist? Das kann keiner wissen. Wenn ich an Tod- und Fehlgeburten denke, dann hilft sie mir trotzdem immens. Wenn ich mir vorstelle, dass die Seelen dieser kleinen Wesen nur ganz kurz hier vorbeigucken wollten, sich vielleicht auf ihr nächstes Leben vorbereiten, dann kann ich ihre Entscheidung respektieren.


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Damit verbunden gibt es im Yoga auch die Theorie der Reinkarnation, der Wiedergeburt. Es heißt, dass die Seele immer wieder auf die Erde kommt, so lange, bis alles Karma abgearbeitet ist und sie erleuchtet und von ihrer menschlichen Existenz befreit wird. Vielleicht glaubst du das auch, und es tröstet dich, dass dein Weg und der deiner Lieben nicht mit dem Tod zu Ende ist. Möglicherweise hilft es dir auch, daran zu denken, dass sich die Wege eurer Seelen irgendwann noch mal kreuzen könnten.

Oder du bist davon überzeugt, dass nach dem Tod nichts mehr von dir bleibt außer eine leere Hülle, oder dass sich deine Lebensenergie wieder vermischt mit der von allen und allem anderen, dass du in den Himmel kommst. Jede dieser Theorien über die Zeit nach dem Tod, über das Jenseits, ist gleichwertig, denn keiner von uns weiß, was dann passiert. Wenn deine Theorie sich aber für dich stimmig anfühlt und du damit gut dem Tod entgegengehen kannst, hat sie ihre Aufgabe erfüllt.

Der (Alp-)Traum der Unsterblichkeit

Falls du immer noch nicht versöhnt bist mit der Existenz des Todes, dir heimlich wünschst unsterblich zu sein, hier ein Gedanke: Was würde es konkret bedeuten, ewig zu leben? Du könntest alles tun, was du wolltest – du hättest ja die Zeit dafür – könntest jeden Beruf, jede Art von Beziehung ausprobieren, der Reihe nach in allen Ländern der Welt leben, die verrücktesten, gefährlichsten Aktivitäten ausprobieren (schließlich könntest du dir ja keinen ernsthaften Schaden antun). Du müsstest nie Prioritäten setzen, nie auf die Signale deiner Seele, deines Herzens oder deines Körpers achten. Und wer schon mal „Das Bildnis des Dorian Gray” von Oscar Wilde gelesen hat, weiß, dass uns Menschen das schlicht nicht gut tut. Dass es sich schon nach relativ kurzer Zeit zu einem depressiven Alptraum aus Lebensverdruss und Sinnlosigkeit entwickeln würde, ohne Ausweg oder Ende.

Das Geschenk des Lebens liegt in seiner Begrenzung. Wir haben nur eine bestimmte Anzahl an Tagen in dieser menschlichen Existenz zur Verfügung – und zwar gar nicht so viele. Wenn du 90 Jahre alt wirst, hast du 32.850 Tage gelebt. Also nutze jeden Tag! Denn auch wenn du nicht bestimmen kannst, wie viele Tage du leben darfst – entscheidest nur du, wie du deine Zeit füllst und du kannst wählen, wie du das, was dir passiert, interpretierst und wie du damit umgehst. 

Abschied nehmen: Dankbarkeit statt Verbitterung

Der schmerzhafteste Aspekt des Todes ist das Abschiednehmen. Trennungen sind immer eine Herausforderung. Die letzte Trennung aber ist so besonders, weil alles, was bis zum finalen Atemzug nicht gesagt oder getan wird, nie mehr nachgeholt werden kann. Deshalb gibt es beim Sterben – für den Sterbenden und auch alle, die ihn begleiten – eine essenzielle Regel: da sein. Egal, wie schwer es fällt, egal, wie weh es tut. Alles sagen, was du schon immer in Liebe sagen wolltest. Alles vergeben, was vergeben werden muss – explizit und aus vollem Herzen. Loslassen und dem Sterbenden ganz klar sagen und signalisieren: Wie wunderbar, dass du da warst. Danke für alles. Du darfst jetzt gehen. Du hast alles getan, was zu tun war. Wir sind nicht mehr deine Verantwortung. Wir passen gut auf uns auf.

Der Abschied ist schwer – die Zeit danach auch

Von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen ist schwer – schwerer ist es aber noch, danach mit der Entgültigkeit dieses Abschieds zu leben. Das einzige, was jetzt hilft: Geh in die Dankbarkeit. Sei dankbar für alles, was dir der Sterbende gegeben hat. Auch wenn es nur wenige Jahre, Monate, Tage waren. Sei dankbar für jeden Moment, den du mit diesem geliebten Menschen hattest.

Besonders kompliziert wird der Trauerprozess, wenn du ein schwieriges Verhältnis zu dem Toten hattest. Doch auch hier kann Dankbarkeit helfen. Und sei es auch nur für die vielen Herausforderungen und die Möglichkeit, an ihnen zu wachsen. Du hattest kaum Kontakt zu einem verstorbenen Elternteil? Dann sei dankbar für dein Leben. Vergiss all die kleinen Verletzungen, und lass dich nicht von deinem Fokus auf die Dankbarkeit abbringen. Der Mensch, der da gerade gestorben ist, hat sein Leben so gut wie möglich gelebt. Du hast kein Recht, ihn zu beurteilen, denn du musstest seinen Weg nicht gehen.

Schmerz und Trauer sind Teil des Lebens

Um den Schmerz des Abschieds kommen wir allerdings nicht herum – egal, wie wir den Abschied gestalten, ihn philosophisch und spirituell einordnen, es wird wehtun. Der Trauerprozess ist intensiv und die damit einhergehenden Phasen (nach Elisabeth Kübler-Ross: Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression und schließlich Akzeptanz) brauchen Zeit, Raum und Energie. Wenn wir aber den geliebten Menschen das gegeben haben, was sich alle Menschen auf dieser Welt wünschen – wirkliche Akzeptanz, Vergebung für alle Versäumnisse und Fehler sowie Zuwendung und Zeit – dann werden wir Frieden schließen können mit dem Abschied. Und schließlich loslassen können.

Das Geschenk der Vergänglichkeit: Leben ist Veränderung

„Das Leben findet am Ende deiner Komfortzone statt.”

Neale Donald Walsch

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Aus hilflosen Babys werden wir rasend schnell zu mutigen Kleinkindern, aus neugierigen Kindern zu aufschießenden Teenagern. Dann sind wir plötzlich Arbeitende, finden Partner, werden vielleicht zu Eltern und Nestbauern – und schon sind wir in Rente. Jede dieser Lebensphasen hat unendlich viele Herausforderungen zu bieten, immer darfst du lernen, wachsen, Neues erleben, neue Perspektiven einnehmen. Diese Veränderung, diese Herausforderungen sind es, die dein Leben wertvoll machen, ja, es erst mit Leben füllen. Die dir immer mehr die Augen öffnen für die Schönheit des Lebens, dich die Kräfte des Lebens verstehen lassen, die dein Herz mit immer größerer Liebe anfüllen – wenn du es zulässt.

Das ist nicht immer einfach. Manchmal denken wir, dass es zu viel ist, dass wir die nächste Hürde nicht mehr schaffen, wollen nur noch ausruhen. Zum Glück dürfen wir das auch manchmal. Kurz wiegen wir uns in Sicherheit – und schon müssen wir uns wieder umstellen. Je früher wir also die unumstößliche Wahrheit der konstanten Veränderung annehmen, uns mit ihr anfreunden, umso leichter werden wir im Strom des Lebens mitschwimmen können. Und nicht mit unendlich viel Kraftaufwand versuchen müssen, ihn aufzuhalten.

Wenn dir Veränderung schwer fällt, übe doch diese Yoga-Sequenz von Petros Haffenrichter – „Sanftes Loslassen für neue Wege”:

Yoga Video Sanftes Loslassen für neue WegeYogaEasy-Video abspielen

Dazu gehört auch, dass wir gut für uns sorgen. Denn nur wenn wir erholsam schlafen, nahrhaft essen, uns vor zu viel Stress schützen und uns regelmäßig Pausen nehmen, können wir die Nerven bewahren, wenn uns das Leben mal wieder die volle Achterbahn liefert. Besonders effektiv sind die Methoden des Yoga und des Ayurveda, um positiv, kraftvoll und gesund zu bleiben.

Die wohl wertvollste Investition, die du in Hinblick auf deine Selbstfürsorge tätigen kannst, ist dabei die Meditation. Tägliche Meditation, und sei es nur für 10 Minuten, hat unendlich viele positive Wirkungen. Sie sorgt dafür, dass dein Geist klar und ruhig wird, dass du erkennst, was wirklich in dir vorgeht, und stärkt deine Intuition – und sorgt so auch auf physischer Ebene für verbesserte Leistung auf allen Ebenen.

Probier es einfach mal aus mit dieser wunderbaren Metta-Meditation für mehr Liebe von Laura Malina Seiler:

Yoga Video Metta-Meditation: Liebevolle GüteYogaEasy-Video abspielen

Selbstfürsorge statt Angst vorm Altern

Nicht, dass wir uns hier missverstehen: Du sollst dich um deine Gesundheit kümmern, um ein erfülltes, glückliches Leben führen zu können. Nicht um dich aufgrund deiner tollen Fitness, deiner knackigen Figur möglichst lange nicht mit der Idee der Vergänglichkeit beschäftigen zu müssen. Dauerjugendlichkeit, Schönheits-OPs und Fitness-Fanatismus sind das Gegenteil von guter Selbstfürsorge und wahrer Selbstliebe. Sie entstehen aus einem Mangel an Selbstakzeptanz, aus fehlender Lebensfreude und Angst vor dem Tod. Und sind als Strategie zum Scheitern verurteilt – die Angst vor dem Tod wirst du nicht mit Botox los. Erst, wenn du in den Spiegel sehen und die Zeichen des Alterns in Frieden annehmen kannst, kannst du die Angst vor dem Tod loswerden. Und dich deinem Leben, so wie es aktuell ist, zuwenden und es mit so viel Freude und Lebendigkeit wie möglich füllen.

„Wie ich es finde, 50 zu werden? Besser als die Alternative…”

Julia Roberts

Was wirklich wichtig ist: Der Tod als beste Entscheidungshilfe

Der Tod hat – neben all seinen Herausforderungen – einen sehr praktischen Nebeneffekt: Er ist ein wunderbarer Entscheidungshelfer. Wenn du gerade nicht den Mut für eine Veränderung in deinem Leben hast, kannst du dich fragen: Werde ich es auf meinem Sterbebett bereuen, wenn ich diesen Job nicht annehme, dieses Haus nicht kaufe, diesen Mann nicht um ein Date bitte? Oder, wenn du dich gerade schrecklich über etwas aufregst, kannst du reflektieren: Wirst du dich im Moment deines Todes noch über die aktuelle Situation ärgern?

Der Gedanke an unseren Tod bringt uns nicht nur dazu, über uns hinauszuwachsen, er sorgt auch dafür, dass wir die wichtigen von den unwichtigen Ereignissen unterscheiden können. Und vielleicht bringt er uns sogar dazu, jeden unserer Tage so zu leben, als wäre er unser letzter. Ihn so schön wie möglich zu machen, unseren Mitmenschen ihre kleinen und großen Schwächen zu verzeihen und die Schönheit in unserem Alltag zu feiern.

„Memento mori. Sei dir der Sterblichkeit bewusst.”

Mönchsspruch aus dem Mittelalter

Loslassen: Gehe ins Vertrauen und gib die Kontrolle ab

Wenn wir älter werden, üben wir peu à peu das, was wir im Moment des Sterbens dann können sollten: das Loslassen. Denn in unseren zweiten Lebenshälfte schließen sich immer mehr Türen. Sei es, dass wir in Rente gehen. Dass der Freundeskreis kleiner wird. Dass du vom leidenschaftlichen Jogger zum Spaziergänger wirst, weil die Knie nicht mehr mitmachen.

Die gute Nachricht: Wenn du dein Leben gelebt hast, wird dir das Loslassen nicht ganz so schwerfallen. Du wirst mit einer gewissen Zufriedenheit in die nächsten Phase deines Lebens gehen können, mit dem Gefühl „Ich habe hier alles getan, was getan werden sollte.” Dich vielleicht sogar auf das nächste Kapitel freuen.

Wenn dann das letzte Kapitel deines Lebens anbricht, wird es dir ähnlich gehen. Wenn du sagen kannst „Ich habe mein Leben gelebt, mich um meine Lieben gekümmert, mir erlaubt glücklich zu sein”, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass du geliebte Menschen um dich hast, wenn du gehst – und sie und dein Leben in Frieden loslassen kannst.

Geh in die Angst: Lass den Tod in dein Leben!

Unangenehme Gedanken und Gefühle drücken wir gerne weg. Wenn es irgendwie geht, lenken wir uns von ihnen ab oder verstecken sie hinter weniger brisanten Ersatzthemen. Sehr gut kannst du das am Umgang unserer Gesellschaft mit dem Tod sehen: Alle Alten sind im Altersheim, alle Kranken im Krankenhaus, und alle Sterbenden an einem dieser beiden Orte oder im Hospiz. Wir wollen nicht daran erinnert werden, dass jeder von uns irgendwann mal alt wird, dass wir alle jederzeit krank werden können, dass wir alle sterben müssen. Und wir finden es viel bequemer, jemanden dafür zu bezahlen, sich um unsere Kranken, Alten und Sterbenden zu kümmern.

Das ist durchaus verständlich. Es gibt kaum etwas Anspruchsvolleres als die innere und äußere Arbeit im Umgang mit schwerer Krankheit und Tod. Denn all die Themen, die der Tod mit sich bringt – das Abschiednehmen vom Leben und den Lieben, die Ungewissheit über das, was kommt, das Loslassen und Abgeben aller Kontrolle – gehören zu den wichtigsten philosophischen, spirituellen, emotional tiefsten und intensivsten Themen, mit denen wir Menschen im Laufe unseres Lebens konfrontiert sind.

Und doch möchte ich dich ermutigen, den Tod in dein Leben zu lassen. Wo immer er sich zeigt, wo immer es sich für dich stimmig anfühlt. Du musst nicht unbedingt ehrenamtlich Schwerkranke im Krankenhaus besuchen. Vielleicht liest du nur eines der Bücher aus unserer Empfehlungsliste (s.u.) und gibst dem Tod so ein bisschen Raum in dir. Um mit ihm zu arbeiten. Um von ihm zu lernen.

Und wenn du direkt mit schwerer Krankheit und Tod im Familien- oder Freundeskreis konfrontiert bist, dann gib dir einen Ruck und geh auf die Betroffenen zu. Lass sie nicht allein! Zu viele von uns haben Angst davor, in dieser Situation das Falsche zu tun oder zu sagen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Ruf an und sage einfach, dass du nicht weißt, was du tun oder sagen sollst. Biete deine Hilfe an. Und dann sei da. Hör zu, nimm die Gefühle und Gedanken an, die kommen, ohne sie zu werten, sie wegtrösten oder erklären zu wollen. Damit zeigst du diesen Menschen, dass sie nicht ausgeschlossen sind, und tust das, was wirklich hilft: da sein. Mitfühlen.

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.”

Unbekannt

Und wenn dann die Angst kommt, wenn sich die Präsenz von Krankheit und Tod bedrohlich anfühlt und du das Gefühl hast, du würdest dem Tod zu viel Platz in deinem Leben geben – ihn quasi einladen? Dann bedanke dich bei diesen Gefühlen und lass sie weiterziehen. Mach dir bewusst, dass wir das Leben erst dann wirklich verstehen, wenn wir den Tod verstanden haben, wenn wir ihn akzeptiert haben und ihm entgegengehen können. Indem wir ein Leben leben, das nicht von Angst gesteuert ist, sondern von der Liebe – ein erfülltes, authentisches Leben.


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