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Was es wirklich bedeutet, YogalehrerIn zu sein
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Was es wirklich bedeutet, YogalehrerIn zu sein

Von Saskia Schmitz-Tietgen

Wenn du dein Lieblings-Yogastudio betrittst, fühlst du dich sofort wie in einer anderen Welt: Leise entspannte Musik, ein zarter Duft von frischen Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen begrüßen dich. Sogar jetzt zur Pandemiezeit, in der Kontaktbeschränkungen und geschlossene Yogastudios zum Alltag gehören, fallen Stress, Ängste und Anspannung von dir ab, wenn du dich online in deine Yogastunde einloggst. Wie schön wäre es, dieses Gefühl rund um die Uhr und in jeder Situation zu haben?

Traumberuf YogalehrerIn?

Und manchmal fragst du dich: Warum mache ich das eigentlich nicht selbst – Yogalehrer sein? Öde Excel-Tabellen und endlose Kundenmeetings gegen Yogamatte und Klangschale zu tauschen, erscheint verlockend. Aber ist das wirklich so? Steht man mit dem Beruf Yogalehrer immer auf der entspannten Seite des Lebens? Prallen Stress, Leistungsdruck und Corona-Angst an der blitzeblanken Mega-Aura eines Yogalehrers ab? Oder ist alles doch nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint?


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Yogalehrer kann ein Traumberuf sein. Denn klar, das Beschäftigen mit einer jahrtausendealten Philosophie, die dich als Yogalehrer durch den Alltag und wahrscheinlich durch dein ganzes Leben trägt, die Fürsorge für deinen Körper und deinen Geist rund um die Uhr und die Möglichkeit, dieses Wissen an andere Menschen weiterzugeben, sie zu unterstützen und ihr unmittelbares Feedback zu erhalten, machen diesen Job neben vielen weiteren Punkten so besonders und bereichernd. Egal ob Supermanager, Künstler oder Student – alle haben Sorgen und Nöte und wenden sich häufig vertrauensvoll an dich. Wie erfüllend zu sehen, dass du sie in ihrem Alltag durch Yoga, Pranayama und Meditation unterstützen kannst. Und wie bereichernd die Vorstellung, durch die Arbeit am Menschen zur positiven Veränderung der Welt beizutragen.

Auch YogalehrerInnen zahlen Miete

Aber wie immer ist auch hier nicht alles schwarz und weiß. Wie immer gibt es Grauschattierungen, gibt es ein „sowohl als auch“. Denn: So schön und bereichernd der Job als Yogalehrer auch sein mag – herausfordernd ist er allemal. Denn das, was der Yogaschüler auf den ersten Blick sieht und was so mühelos und leicht erscheint, ist meist das Ergebnis harter Arbeit. Arbeit an sich und der eigenen Persönlichkeit, aber natürlich auch Arbeit im klassischen Sinne.

Yogalehrer-Sein bedeutet ja nicht, im Nebel von Räucherstäbchen sitzend erleuchtete Ratschläge geben. Yogalehrer sind nicht befreit von Stress und den Herausforderungen des alltäglichen Lebens. Auch sie müssen Miete zahlen, sich um ihre Rente kümmern, ihre Familie versorgen und ja – auch sie brauchen auch hin und wieder Urlaub, um aufzutanken. Damit das auch klappt, braucht es einiges an Arbeit, Disziplin, Flexibilität und Durchhaltevermögen.

Die Herausforderungen des YogalehrerInnen-Lebens

Und nicht nur das. Ganz konkret kämpfen viele YogalehrerInnen mit den gleichen Herausforderungen. Da ist zum einen die meist überschaubare Bezahlung, wenn man als freier Yogalehrer arbeitet, das Hetzen von Yogastudio zu Yogastudio, um auf ein Einkommen zu kommen, das einen (meist gerade eben so) trägt. Und YogalehrerInnen mit eigenem Studio müssen schon Glück haben, um passende Räumlichkeiten zu finden, deren Miete nicht automatisch dafür sorgt, dass sie keinen Gewinn machen können – egal, wie gut das Studio läuft. In beiden Fällen heißt es: gut kalkulieren. Und sich keine Illusionen machen. Reich werden mit Yoga nur ganz wenige LehrerInnen. Und die verdienen ihr Geld nicht mit Yoga-Unterricht, sondern mit bestens vermarkteten Retreats, YogalehrerInnen-Ausbildungen, Yoga-Videos – oder damit, dass sie als Yoga-Influencer auf ihren Social-Media-Accounts für Produkte werben. Inwieweit das noch Yoga ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Und zum anderen sind da all die anderen Jobs, die mit dem Yogalehrer-Dasein verbunden sind und die man quasi ebenfalls erfüllen muss. Denn natürlich ist ein Yogalehrer nicht nur spiritueller „Yoga-Performer” auf der Matte, dem die Schüler nur so zufliegen. Nein, um als Yogalehrer gut über die Runden zu kommen, bedarf es erheblich mehr.

Was muss ein Yogalehrer alles können?

Ein Yogalehrer muss sich auch vermarkten, für sich und seine Angebote werben. Da gehört das Knowhow rund um Online-Marketing genauso selbstverständlich dazu wie das Erstellen von Texten für Flyer und Website, das Erarbeiten des eigenen USPs (Unique Selling Point), die regelmäßige Wettbewerbsanalyse, das Knüpfen sozialer Kontakten auf Messen, Festivals, in anderen Studios, die regelmäßigen Weiter- und Fortbildungen, die Expertise im Bereich Buchhaltung, Versicherungen und Steuern und, und, und.

Und dann die Corona-Krise! Sie verlangt auch den Yogalehrern zusätzlich so einiges ab und fordert ihre Flexibilität ständig aufs Neue – und zwar nicht die Flexibilität auf der Yogamatte. Geschlossene Studios, Existenzangst, das Umswitchen vom Studiobetrieb auf Online-Kurse und wieder zurück bestimmen inzwischen den Yoga-Alltag.

Deshalb ist es gar nicht so selten, dass Yogalehrer – auch ohne die Corona-Krise! – im Burn-out landen oder die Flinte ins Korn werfen. Nicht selten kommt bei den meisten Yogalehrern nämlich irgendwann die Frage auf, ob die Leidenschaft für Yoga groß genug ist, um alles auf diese eine Karte zu setzen, oder ob man nicht lieber Teilzeit-Yogalehrer sein oder Yogaschüler bleiben möchte. Klar, jeder Job hat seine Herausforderungen, Höhen und Tiefen, etwas, das Spaß macht, und etwas, das nervt. Gerade jetzt stecken viele in der Krise. Als Selbstständiger kommen noch permanente Existenzangst und die Last des Rund-um-die-Uhr-Arbeitens hinzu.

Wie yogisch gestalte ich mein Leben?

Beim Yogalehrer ist es zudem so, dass das, was er tut, eben nicht nur ein Job ist, sondern seine Lebenseinstellung. Da heißt es nicht: „So, jetzt Feierabend, weg mit dem Yogakostüm, rein in die Wohlfühlklamotte.” Nein, Yogalehrer ist man immer. Mit Haut und Haaren, ganzer Seele. Da wird eine bestimmte Haltung im Optimalfall nicht nur in den Yogastunden eingenommen, sondern immer und überall gelebt.

Da wird nicht auf der Matte Wasser angepriesen – Ruhe, Entspannung, Frieden und Achtsamkeit – und zu Hause Wein gesoffen – Stress, Negativität und Hass – (auch wenn ein Weinchen auch als Yogalehrer nicht zu verachten ist!). Yogalehrer arbeiten rund um die Uhr – und zwar an sich. Da geht es nicht nur um das Planen logischer und passender Yogastunden, den nächsten Workshop, die zukünftige Yogareise, da geht es vor allem um das Arbeiten an der inneren Haltung, den Blick auf die (Um-)Welt, das Transportieren der theoretischen Yoga-Philosophie in den praktischen Lebensalltag.

Die Frage, wie yogisch man sein Leben eigentlich wirklich gestaltet, steht stets im Fokus. Deckt sich das, was ich meinen Schülern mitgeben möchte, mit dem, wie ich selbst lebe? Aus welchen Motiven erfolgt der Gang auf die Matte – aus rein monetären Gesichtspunkten oder aus Berufung (und muss das eine das andere automatisch ausschließen)? Nehme ich mir die Auszeiten, die ich meinen Schülern so dringend rate? Verstehe ich Stress wirklich als etwas, das ich mir selbst mache und nicht als etwas, was von außen auf mich zukommt? Bin ich tatsächlich stets frei von Neid, Missgunst und Angst, oder gestehe ich sie mir ein und arbeite daran? Steige ich diszipliniert täglich auf die Matte oder vernachlässige ich meine eigene Praxis? Kümmere ich mich eigentlich noch gut um mich, während ich um das Wohl der Schüler bedacht bin?

Die Liste könnte noch um etliche Punkte ergänzt werden. All das gehört zum (Arbeits-)Alltag eines Yogalehrers dazu. Zusätzlich, und ganz vorne, außerdem jede Menge Leidenschaft und Feuer. Du siehst also: Yogalehrer zu sein, ist mehr als wahrscheinlich viele Yogaschüler auf den ersten Blick vermuten. Aber für viele ist es eben ein echter Traumjob, für den sich all die Arbeit sowie alle Hochs und Tiefs lohnen. Und vielleicht widmest du dein nächstes OM einfach mal deinem Lieblings-Yogalehrer...

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