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Vielfalt statt Einfalt: Yoga im 21. Jahrhundert
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Vielfalt statt Einfalt: Yoga im 21. Jahrhundert

Von Kristin Rübesamen

Eines meiner unentdeckten Talente ist das Erlernen von Fremdsprachen. Es ist ein Wunder, dass ich noch kein Pali oder Ghandari spreche, die Sprache, in der indoarische Manuskripte aus dem 1. Jahrhundert geschrieben wurden. Oder vielleicht doch nicht. 

Aber schade ist es schon. Wie es wohl gewesen wäre, im kargen Hochgebirge Nepals den Bauern mehr als „Namasté“ zuzurufen? Tausende von Kilometern entfernt vom „Yak & Yeti Hotel” in Kathmandu, in dem Loney-Planet-Touristen einander wissend ignorieren, wächst in jeder Begegnung die Sehnsucht danach, sich zu verständigen. Und zwar nicht nur, um in den bettelarmen Dörfern nach Tee mit Zucker zu fragen oder, ähem, nach Wlan.

Artenvielfalt: Vom Aussterben bedroht

Wenn von Vielfalt die Rede ist, dann ist sie meistens bedroht. So auch die Artenvielfalt. Über den Schutz des Lebendigen, den Erhalt der Artenvielfalt und biologischen Diversität existieren unzählige Papiere und Arbeitsziele, doch dem Engagement gegen das Artensterben haftet ein bürokratischer Mief an. Ok, das mit den Bienen haben wir verstanden, aber den Rest? Während eine globalisierte Gesellschaft die Erde bis auf die letzten Meter erkundet und sich alles Fremde einverleibt, sterben die Arten dahin, und nicht mal David Attenborough kann etwas dagegen tun.

Wenn wir von Vielfalt und Diversität reden und ihrer Bedeutung, dann tun wir es in dem unausgesprochenen Bewusstsein, selbst nicht divers zu sein, sondern dazuzugehören. Divers sind immer nur die anderen, die, die unser Leben bereichern sollen. Wir selbst begreifen uns nie als divers, zu groß ist die Angst, außen vor zu bleiben. Zu groß die Sorge um soziale Anerkennung.

Das Konzept Diversität kommt aus der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und wurde später zum politischen Leitbild, um in Form von Gleichbehandlungsgesetzen Diskriminierten Schutz zu bieten. Es geht also um Gerechtigkeit und Macht. Ob aber eine diversere Gesellschaft auch eine gerechtere ist, ob es genügt, wenn der winzige reiche Prozentteil divers ist und die ökonomische Ungleichheit aber bestehen bleibt, wird zum Beispiel von der indischen Wissenschaftlerin Nikita Dhawan diskutiert, deren Buch „Decolonizing Enlightenment: Transnational Justice, Human Rights and Democracy in a Postcolonial World” so klingt, als müsste man es dringend lesen, anstatt immer nur in den Wald zu rennen. So weit die Theorie.


Zum Tag der biologischen Vielfalt in diesem Jahr haben wir in Kooperation mit dem WWF die Aktion Mach den Baum für den Baum gestartet und tolle Yoga-Videos und -Tutorials mit Annika Isterling aufgenommen. Übe mit und unterstütze die Aktion „WWF Yoga für Artenvielfalt” mit einer Spende.

WWF Yoga für Artenvielfalt


Wie andere Pfannkuchen essen

Die Sehnsucht danach, irgendwo dazuzugehören, teilen alle Menschen. Es ist ein universelles Bedürfnis, nicht anders zu sein, sondern so wie „alle“. Wir wollen dazu gehören, um nicht alleine zu sein. Was es heißt, isoliert zu sein, spürt man erst, wenn man sein Heimatland verlässt. Man sucht dann nach allem, woran man sich festhalten kann. In anderen Worten, man lässt sich inspirieren. Von der Religion, der Sprache, der Art und Weise, wie Menschen Pfannkuchen essen (die gibt es nämlich überall). Man lässt sich faszinieren. Das geht nur, wenn man fremd ist und anders als die anderen. Was für ein Spaß. Wir sollten versuchen, für diese Erfahrungen von Fremdheit eine positive Sprache zu finden. Denn diese Erfahrungen sind vielleicht manchmal etwas unheimlich, aber sie sind voller Leben. Sie machen das Leben reich.

Menschen dagegen, die auf ihrem Zuhause beharren und darauf pochen, dass ein bestimmtes Blut durch ihre Adern fließt, führen ein ärmliches Leben. Ich fühle mich nicht zu Hause bei ihnen. Ich will nicht sein wie sie. Sie jagen mir Angst ein, dabei sind sie diejenigen, die Angst haben.

Neulich habe ich mit einer Yogalehrerin darüber diskutiert, warum die deutsche Yogaszene so homogen ist – so weiß, so dünn, so brav, so engstirnig trotz allem Hippie-Getue. Ist es wirklich wichtig, welche Methode Yogis üben, in wessen Tradition sie üben, welchem Guru (das sind nach wie vor die Männer) sie folgen? Wir bei YogaEasy haben Lehrer:innen der unterschiedlichsten Traditionen und Stile unter einem Dach versammelt. Mit voller Absicht. Weil es unser aller Leben reicher macht.

Der Kampf um Artenvielfalt beginnt nicht mit der Einsicht, dass uns nur die Vielfalt retten wird. Er beginnt mit der Ahnung, wie gut es sich anfühlen kann, anders zu sein. Offen zu sein. Geben wir diesem Gefühl Platz und machen wir endlich auch Platz für andere. No More Lonely Planets.


In dieser herausfordernden „Yoga für Artenvielfalt”-Sequenz bringt dir Annika Isterling Tiere näher, die dir in deiner Yogapraxis begegnen können – vom Fisch über die Eidechse und das Glühwürmchen bis zu Taube und Schmetterling:

wwf artenvielfaltYogaEasy-Video abspielen


 

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