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Shraddha: Was hat Glauben mit Yoga zu tun?
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Shraddha: Was hat Glauben mit Yoga zu tun?

Von Birgit Feliz Carrasco

Leben – eine Frage des Vertrauens

Wem oder was vertraust du? Yogalehrer*innen? Deinem Partner? Politiker*innen? Und wie steht es um deine eigene Vertrauenswürdigkeit? Bist du aufrichtig und transparent und ermöglichst es so anderen, dir zu vertrauen?

Es scheint, als wäre es heutzutage schwieriger für Menschen, Vertrauen zu fassen, an etwas wirklich zu glauben. Vielleicht weil in unserer Gesellschaft weniger humanistische und soziale Themen im Mittelpunkt stehen – sondern eher die Oberfläche, das Ego. Dabei ist die Fähigkeit zu vertrauen für ein glückliches Leben unabdingbar. Wir Yogi*nis glauben etwa, dass jeder Mensch aus gutem Grund auf dieser Erde ist. Wir vertrauen darauf, dass unser Sein einen Sinn hat. Das ist befreiend, beflügelnd, beglückend – und hilft uns, unsere Bestimmung zu leben. 

Woran glaubst du? Glaubst du an etwas Höheres als die irdische Dreidimensionalität? Vertraust du dir und deinem höheren Selbst, über das deine Seele und dein irdisches Sein mit dem großen Ganzen verbunden sind? Und wie beeinflusst dieser Glaube dein Leben?


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Shraddha: Übersetzung und Herkunft

Die altindische Sprache des Sanskrit lässt eine Reihe von Übersetzungen von Shraddha zu: Vertrauen, Glaube, Treue, Ehrerbietung, Zuversicht, Aufrichtigkeit, Hingabe. Im Rahmen der Yoga-Philosophie ist Shraddha in der Bedeutung von „Glauben” und „Vertrauen” bekannt und gehört zu den sogenannten „sechs Schätzen des Vedanta”. Diese „Schätze” oder Fähigkeiten gelten als Vorbedingungen für Personen, die der philosophischen Lehre des Vedanta folgen:

  1. Shama (Klarheit des Geistes)
  2. Dama (Beherrschung der Sinneswahrnehmung)
  3. Dharma (Erfüllung individueller Pflichten)
  4. Titiksha (geduldiges Ertragen von Gegensätzen, harmonisches Sein trotz Dualismus)
  5. Shraddha (Glaube, Vertrauen)
  6. Samadhana (Fähigkeit zur Kontemplation)

Ist es nicht immer wieder überraschend, wie mentale Verfeinerungen, nach denen wir als moderne Yoga-Praktizierende suchen, denen der wertgeschätzten Fähigkeiten im alten Indien ähneln? 

Wie praktiziere ich Shradda?

Die philosophische Tradition, aus der Shradda kommt, hört sich erst mal danach an, als könntest du Shradda nur dann erleben, wenn du in einem indischen Ashram lebst und ganztägig an deiner Erleuchtung arbeitest. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Shradda ist jedem Menschen zugänglich – wenn er sich darauf einlässt.   

Ganz pragmatisch geht es erst mal darum, dem wertvollen Rüstzeug des Yoga zu vertrauen – das dich körperlich wie seelisch festigt und dich stark macht für die Erschütterungen des Lebens, die jeder von uns durchleben muss. Dieses Vertrauen bekräftigst du jedes Mal, wenn du Yoga übst. 

Eine regelmäßige Yoga-Praxis wird dir zwangsläufig auch im Alltag ein neues Gefühl von Gelassenheit und Urvertrauen schenken. Wenn du einen Kopfstand oder eine andere komplexe Asana meistern kannst, wenn du in deiner Meditation deinen Geist immer mehr zu kontrollieren lernst – was soll dich dann noch erschüttern?


Probiere es selbst aus mit dieser ausführlichen Anleitung zum halben Kopfstand von Kerstin Linnartz:

Yoga Video Tutorial: Schritt für Schritt zum halben KopfstandYogaEasy-Video abspielen


Shradda entsteht auch dann in dir, wenn du dir bewusst machst, dass du jeden Tag etwas mehr erwachst. Schritt für Schritt und Erlebnis für Erlebnis reicherst du dich mit Weisheit an. Dein Bewusstseinsgrad nimmt zu, auch deine Zuversicht wächst täglich, und du spürst, dass Hilfe aus höheren Dimensionen jederzeit für dich erhältlich ist.

Nicht selten zweifeln Menschen an ihren Entscheidungen und haben kein Vertrauen in den Lebensweg, den sie selbst gewählt haben. Das passiert nur, wenn Entscheidungen rein rational statt emotional getroffen werden. Deine „Kopfgefühle”, die auf geprägten Mustern und gesellschaftlichen Konventionen beruhen, erschüttern unter Umständen deinen Glauben und dein Vertrauen. Deine „Herzensgefühle” jedoch sind echte Entscheidungshilfen, weil dein Seelenherz immer und ewig in Urvertrauen und Glauben mit der Urquelle, dem Kern der Schöpfung allen Lebens verbunden ist.


Verbinde dich mit deinem Herzen über diese Herzmeditation von Annika Isterling: 

herz_meditation_harmonie_YogaEasy-Video abspielen


Übung für mehr Shradda in deinem Leben

Fühle bei deiner Meditations-Praxis über deinen Körper hinaus:

  1. Nimm eine bequeme Meditationshaltung ein.
  2. Erspüre die Lebensenergie in dir. Nimm die sprühenden Funken im Inneren wahr, die dich lebendig machen. 
  3. Fühle die feinstoffliche Energie, fühle das Licht in deinem Herzen. Das funkelnde Licht in dir ist der Glanz deines feinstofflichen Selbst.
  4. Frage dein höheres Selbst, wo deine Seelenheimat ist. 
  5. Lausche und fühle dann die Antwort in deinem Herzen (statt sie im Kopf zu erdenken).
  6. Lasse dich von deinem höheren Selbst an die Hand nehmen und in deine Seelenheimat zur Urquelle führen.
  7. Stelle dir dann vor, wie du aus dieser Urquelle tiefes Vertrauen, Glauben und Zuversicht, Energie und Kraft für deinen irdischen Alltag schöpfst.
  8. Mache dir bewusst, dass du nicht nur heute, sondern immer und jederzeit aus dieser Quelle schöpfen kannst und schließe in diesem Bewusstsein deine Meditation ab.

Ist Yoga eine neue Religion?

Menschen haben sich zu allen Zeiten nach Vertrauen, Zuversicht, Aufrichtigkeit gesehnt – und nach einem tiefen Glauben als festen Anker in den Stürmen des Lebens. Doch die Dogmen der gängigen Religionen, ihre Anspruchshaltung auf alleinige Wahrheit, die geforderte Gottesfürchtigkeit hat oft nicht dazu geführt, dass die Welt zu einem vertrauenswürdigeren Ort wurde. Sondern zu Missionierungsversuchen, zu gegenseitigem Misstrauen, sogar zu Kriegen. 

Die Sehnsucht nach Shraddha ist auch und vor allem in unserer modernen Welt stark. Ist also Yoga unsere neue Religion? Nein. Yoga ist eine Lebensphilosophie, die auf weisen Erkenntnissen der alt-indischen Kultur beruht – und gut in unsere Zeit passt. Yoga bedeutet Verbindung, Wiedervereinigung mit deinem wahren Selbst und mit deiner seelischen Herkunft. Modernes Yoga beinhaltet keine dogmatische Pflicht. Die Yogalehre ermöglicht es jedem, die eigene Wahrheit zu finden.

Wie gesagt: Die meisten von uns sehnen sich nach Shraddha, einen Glauben an etwas Höheres, eine Erklärung für unser Sein, für unsere Herkunft. Wer an nichts glaubt, läuft Gefahr, dass der Geist dumpf oder süchtig oder beides wird. Konsumwahn und Oberflächlichkeit sind nie erfüllend, sondern hinterlassen eine innere Leere. Wen wundert es da, dass Yoga weltweit populär ist und für viele weit mehr ist als eine Form von Körperbewegung.

Für mich ist Yoga eine kulturelle Bewegung, die die Fülle des Lebens wieder sichtbar macht und mein Herz mit Vertrauen anreichert. Und du bist Teil dieser Bewegung und stärkst mit deinem Vertrauen in Yoga die weltweite Gemeinschaft der Yogi*nis. Shraddha ist keine Voraussetzung für Yoga, Shraddha ist ein Geschenk des Yoga. Du entscheidest darüber, ob und wann du dieses Geschenk auspacken möchtest.

Love and light
Birgit Feliz Carrasco

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