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Pille absetzen: Yoga für die Hormonumstellung
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Pille absetzen: Yoga für die Hormonumstellung

Von Merle Blankenfeld

„Und, wie verhütest du so?“ Vor einigen Jahren war es unter jungen Frauen noch gang und gäbe, auf diese Frage mit „Die Pille natürlich“ zu antworten. Aktuell gibt es aber einen deutlichen Trendwandel: Mehr und mehr Frauen hinterfragen die hormonelle Verhütung mindestens – oder lehnen sie gänzlich ab.

In den 1960er-Jahren war die Pille ein sexueller Befreiungsschlag für Frauen. Endlich konnten sie das Thema Verhütung selbst in die Hand nehmen und mussten sich nicht mehr auf die Männer verlassen. Lange Zeit haben Frauen aber kaum oder gar nicht darüber nachgedacht, was für einen Hormoncocktail sie ihrem Körper mit der Antibabypille eigentlich zumuten. Vor allem bei der Einnahme über einen langen Zeitraum.

Die Pille: Lange Liste an Nebenwirkungen

Wie fast jedes Medikament hat die Pille natürlich Nebenwirkungen. Davon sind einige durchaus angenehm: bessere Haut, schwächere und kürzere Regelblutung, regelmäßigerer und damit planbarer Zyklus. Die Nachteile sind immens: Frauen klagen über Gewichtszunahme, Kopfschmerzen oder weniger Lust auf Sex. Auch Thrombosen sollen besonders im ersten Anwendungsjahr der Pille häufiger auftreten als bei Frauen, die nichthormonell verhüten.

Natürlich treten nicht bei allen Frauen und vor allem nicht bei allen Verhütungspräparaten diese Nebenwirkungen auf. Das kann auch in der Art der enthaltenen Hormone liegen. Die meisten Pillen enthalten künstliche Östrogene und Gestagene. Beiden Hormonarten produziert der weibliche Körper auch auf natürlichem Weg. In der künstlichen Variante verändern sie allerdings den natürlichen Hormonspiegel so, dass der Eisprung nicht stattfindet. Gestagene verdicken zusätzlich den Schleim am Muttermund und machen ihn so für Spermien undurchlässiger.

Sogenannte Minipillen verzichten gänzlich auf Östrogene, die vorwiegend für Nebenwirkungen wie das erhöhte Thromboserisiko oder Kopfschmerzen verantwortlich gemacht werden. Die Sicherheit der Minipille wird allerdings niedriger eingeschätzt als die von Kombinationspräparaten, und die Einnahmezeit darf noch weniger variieren als bei anderen Pillen.

Besonders bedenklich: Die Antibabypille soll die Stimmung beeinträchtigen und möglicherweise sogar Depressionen fördern. Ein internationales Forscherteam in Stockholm hat diese Vermutung zumindest teilweise nachweisen können: Die Probandinnen, die drei Monate lang die Pille eingenommen hatten, fühlten sich niedergeschlagener als die Placebogruppe.

Die Zahl der Pillenverweigerer steigt

Warum also tun wir unserem Körper – und unserer Psyche – das an? Diese Frage scheinen sich immer mehr junge Frauen zu stellen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat 2011 erhoben, dass zwar immer noch 53 Prozent aller Befragten zwischen 18 und 49 Jahren in Deutschland die Pille nehmen, aber Frauen ab Mitte zwanzig eher zu anderen Verhütungsmitteln greifen als Jüngere. Die nächste Studie der BZgA wird 2018 veröffentlicht. Beobachtet man das Thema in sozialen Netzwerken, Foren und Co., scheint der Trend gegen hormonelle Verhütung (allen voran die Pille) klar auf dem Vormarsch zu sein.

Yoga und Verhütung

Wer sich intensiv mit der yogischen Philosophie auseinandersetzt, wird Hormonpräparaten ohnehin zumindest skeptisch gegenüberstehen. Yoga bedeutet Einheit von Körper und Seele. Es geht in der Praxis darum, mit dem eigenen Körper in Kontakt zu treten. Bei Frauen spielt der Zyklus dabei eine große Rolle. Während der Menstruation etwa haben viele Frauen das Gefühl, sich selbst und ihre Umwelt intensiver wahrzunehmen. Mit der Einnahme der Pille verschwindet die Menstruationsblutung und wird durch eine Hormonentzugsblutung ersetzt, die im natürlichen Zyklus gar nicht vorgesehen ist. Statt sie zu unterdrücken, können – und sollten – die unterschiedlichen Zyklusphasen im Yoga als Quelle der weiblichen Kraft genutzt werden.

Verändern wir den natürlichen Zyklus durch künstliche Hormone, wird es schwieriger, ganz bei uns zu sein und die angestrebte Einheit von Körper und Geist zu erreichen. Das heißt selbstverständlich nicht, dass keine Yogini mit der Antibabypille verhüten darf. Es gibt Frauen, für die die Pille aus gesundheitlichen Gründen das ideale Verhütungsmittel ist. Vor dem Absetzen sollte grundsätzlich der Gynäkologe zu Rate gezogen werden. Er kann Tipps geben, wie die Hormonumstellung etwas leichter wird – und natürlich auch über alternative Verhütungsmethoden informieren.

Jede Frau und jeder Körper sind anders. Genau wie bei der Yoga-Praxis muss auch jede Frau individuell für sich herausfinden, welche Verhütungsmethode für sie die beste ist. Sich selbst und den eigenen Körper wirklich kennenzulernen, gelingt allerdings leichter ohne künstlichen hormonellen Einfluss.

Alternativen zur Pille: Natürliche Verhütung, Spirale und Co.

Wer die Pille abgesetzt hat – oder gar nicht erst nimmt – und auf der Suche nach einer Verhütungsmethode ist, die gänzlich ohne Hormone auskommt, hat einige zur Auswahl. Das sind die gängigsten:

  • Natürliche Verhütung mit der symptothermalen Methode (NFP): Hierbei wird der Zyklus genau beobachtet und der Eisprung (und damit die Tage, an denen eine Schwangerschaft möglich ist) mittels Körpersymptomen wie der Körpertemperatur, dem Zervixschleim und dem Gebärmutterhals bestimmt.
  • Verhütungs-Apps: Mit derselben Methodik, aber unterstützt von technischen Helferlein, die alle Daten speichern und Reminder verschicken, arbeiten Verhütungs-Apps wie etwa Natural Cycles.
  • Spirale: Die Kupferspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt. Dort hemmt das Kupfer die Beweglichkeit der Spermien und verhindert so die Befruchtung. Zusätzlich verhindern die Kupferionen, dass sich Eizellen an der Gebärmutterschleimhaut einnisten können. Die Kupferkette funktioniert nach demselben Schema, wird aber am Dach der Gebärmutter befestigt.
  • Mechanische Hilfsmittel wie Kondom oder Diaphragma: Sie haben den Vorteil, dass sie nur zum Einsatz kommen, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Gleichzeitig kann das wiederum auch als Nachteil empfunden werden, weil das Paar unmittelbar vor dem Sex an die Verhütung denken muss.

Typische Nebenwirkungen der Hormonumstellung nach dem Pille-Absetzen

Vielleicht besteht aber auch ein Kinderwunsch, und du möchtest die Pille deshalb absetzen. In jedem Fall können verschiedene Nebenwirkungen des plötzlichen Hormonentzugs nach dem Absetzen der Antibabypille auftauchen.

1. Zyklus

Praktisch unser gesamter Organismus wird hormonell beherrscht. Eine Umstellung wie das Absetzen der Antibabypille hat also Auswirkungen auf viele Prozesse im Körper. Zu den gängigsten Nebenwirkungen gehört ein unregelmäßiger Zyklus: Das kann sich durch das Ausbleiben der Regelblutung bemerkbar machen, aber auch durch eine plötzlich sehr viel stärkere Menstruation oder Zwischenblutungen. Das liegt vor allem daran, dass mit der Einnahme der Pille die eigentliche Periode unterdrückt und durch eine Abbruchblutung ersetzt wird, die nur durch die Pillenpause alle vier Wochen hervorgerufen wird.

2. Haut und Haare

Bei einigen Frauen äußert sich die Hormonumstellung nach dem Pillen-Entzug auch durch ein deutlich schlechteres Hautbild oder fettigere Haare. Auch ein (temporärer) Haarausfall kann einsetzen, wenn die künstlichen Hormone plötzlich im Körper fehlen.

3. Stimmung

Die Pille steht immer wieder im Verdacht, sich auch auf die Stimmung niederzuschlagen – im wahrsten Sinne des Wortes. Viele Frauen klagen darüber, sich häufig betrübter zu fühlen als vor dem Verhüten mit dem Hormonpräparat. Nach dem Absetzen kann es eine Weile dauern, bis sich diese Verstimmungen lösen. Durch das (völlig natürliche) Auf und Ab der Hormone ohne die Pille fühlst du dich vielleicht an einigen Tagen des Zyklus sehr viel schneller gereizt oder empfindlicher als sonst. Eine ganz normale Entwicklung, die dem natürlichen Hormonhaushalt zu verdanken ist.


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Mehr Verbundenheit mit dem eigenen Körper

Es sind natürlich nicht alle möglichen Nebenwirkungen nach dem Pille-Absetzen negativ. Dass du deine Stimmungen vielleicht wieder intensiver spürst, solltest du zu schätzen wissen: Unser Körper sagt uns in der Regel, was er braucht. Wenn wir unseren Hormonhaushalt nicht mehr künstlich steuern, lernen wir, unserem eigenen Körpergefühl wieder mehr zu vertrauen. Das gilt natürlich auch beim Yoga: Ist dir heute eher nach einem schweißtreibenden Flow oder nach einer entspannenden Yin-Yoga-Sequenz? Höre in dich hinein und verbinde dich mit deinem Körper – so kommst du dem Ziel der Einheit von Körper und Geist vielleicht ein Stück näher.

Ein weiterer Nebeneffekt des Absetzens der Pille: Die künstlichen Hormone der Antibabypille mindern bei vielen Frauen die Lust auf Sex. Nachdem sie nicht mehr hormonell verhüten, kann sich das ganz schnell ändern. Besonders während des Eisprungs (also etwa in der Mitte des Zyklus) steigt die Libido möglicherweise spürbar an.

Yoga-Übungen gegen die unangenehmen Nebenwirkungen des Pille-Absetzens

Diese Asanas aus dem Hormon-Yoga von Dinah Rodrigues können dich während der Hormonumstellung unterstützen:

1. Drehsitz (Ardha Matsyendrasana)

Der Drehsitz hilft, Stress abzubauen und massiert die Bauchorgane.

  • Sitze aufrecht, winkele rechtes Bein an und lege deine rechte Ferse neben deiner linken Hüftseite ab. Wenn du Schwierigkeiten hast, beide Sitzbeinhöcker auf den Boden zu bringen, kannst du dein rechtes Bein auch ausstrecken.
  • Stelle deinen linken Fuß auf die rechte Seite des rechten Knies.
  • Lege den rechten Arm über die linke Seite des linken Beins, den linken Arm nimmst du mit der Einatmung in die Höhe und legst ihn hinter deinem Gesäß auf dem Boden ab.
  • Drehe nun deinen Oberkörper nach links, indem du dich mit der Einatmung in die Länge streckst und mit der Ausatmung tiefer in die Drehung gehst.
  • Achte darauf, dass dein Rücken immer aufgerichtet bleibt und du den Kopf nicht zu weit über die Seite drehst.
  • Halte die Asana einige Atemzüge und übe dann mit der anderen Körperseite.

Yoga Video Clip: Marichyasana (Drehsitz)YogaEasy-Video abspielen

2. Schulterbrücke (Setu Bandha Sarvangasana)

Die Schulterbrücke wirkt sich positiv auf den Beckenboden sowie die Schilddrüse aus und dehnt die Bauchorgane.

  • Lege dich auf den Rücken und stelle deine Füße hüftbreit auf. Lege deine Arme entspannt neben dem Körper ab.
  • Mit der Einatmung hebst du nun Becken und Rücken nach oben. Zwischen Knien und Schultern entsteht so eine schiefe Ebene.
  • Wichtig ist hier, dass deine Knie nicht nach innen fallen, sondern über den Fußgelenken bleiben.
  • Halte die Asana nun ein paar Atemzüge. Sollte dir das nicht möglich sein, kannst du deinen unteren Rücken auch mit einem Kissen oder einem Yogablock unterstützen.
  • Lege deinen Rücken nun langsam, Wirbel für Wirbel, wieder ab.
  • Du kannst die Schulterbrücke auch dynamisch üben.

Yoga Video Tutorial: Asana – die Schulterbrücke (Setu Bandha Sarvangasana)YogaEasy-Video abspielen

3. Taube (Eka Pada Rajakapotasana)

Die Taube aktiviert die Eierstöcke und dehnt die Hüften.

  • Starte im herabschauenden Hund und bringe das rechte Knie nach vorn zwischen die Hände.
  • Lege das gebeugte rechte Bein auf dem Boden ab. Die Ferse befindet sich in der Nähe des linken Eierstocks, das Knie zeigt nach vorne.
  • Das linke Bein der Länge nach auf dem Boden nach hinten ausstrecken.
  • Halte das Becken gerade und strecke den Oberkörper lang über das vordere Bein aus.
  • Nun strecke die Arme nach vorn aus.
  • Gehe zurück in den herabschauenden Hund und wiederhole die Übung mit der linken Seite.

Yoga Taube

4. Kopf-Knie-Haltung (Janu Shirshasana)

Die Kopf-Knie-Haltung baut Stress ab, massiert die Bauchorgane und aktiviert die Eierstöcke sowie die Nieren.

  • Du sitzt in Dandasana.
  • Beuge nun das rechte Bein und setze deinen rechten Fuß innen neben deinen linken Oberschenkel.
  • Lass nun das rechte Knie in Richtung Boden sinken.
  • Hebe deine Arme und drehe deinen Oberkörper nach links.
  • Lass mit der Ausatmung deinen Oberkörper mit geradem Rücken über das linke Bein sinken und greife mit beiden Händen an den Unterschenkel oder Fuß.
  • Strecke beim Einatmen deine Wirbelsäule und lasse dich beim Ausatmen noch etwas tiefer über dein Bein sinken.
  • Wiederhole dann die Übung auf der linken Seite.

Yoga Video Clip: Janu Sirsasana (Knie-Kopf-Haltung)YogaEasy-Video abspielen

Unterstützung durch Pranayama: Bhastrika und Ujjayi

Um die energetischen Wirkungen der Asanas zu intensivieren, kannst du zwei wesentliche Pranayama-Techniken üben, während du in der Haltung atmest: Bhastrika (Blasebalgatmung) bewirkt eine Massage der Eierstöcke – dabei wölbst du den Bauch bei der Einatmung zügig nach vorn und ziehst ihn bei der Ausatmung wieder aktiv zusammen. Ujjayi-Atmung (der „siegreiche“ Atem) massiert die Schilddrüse, dazu wird durch die verschlossene Stimmritze mehrmals ein- und ausgeatmet. Beide Atemübungen aktivieren das Prana. Übe sie also, während du in den Asanas atmest und visualisiere dann die jeweils gewünschten Hormondrüsen (also zum Beispiel erst den echten Eierstock, dann den linken...). Damit lenkst du die entstandene Energie dorthin und verstärkst so die Wirkung der Asana.

Yoga Video Bhastrika-Atmung im Hormon-YogaYogaEasy-Video abspielen

Hormon-Yoga als natürliche Unterstützung in Umbruchphasen

Wenn du noch intensiver in die das Thema Hormon-Yoga einsteigen willst, kannst du das in diesem Einführungsartikel tun. Darin erfährst du alles über die von Dinah Rodrigues entwickelte Yogaform.

Weitere Tipps nach dem Pille-Absetzen

Neben der regelmäßigen Yoga-Praxis kannst du deinem Körper die Hormonumstellung mit einem insgesamt gesunden Lebensstil erleichtern. Achte auf eine ausgewogene Ernährung, die dich mit ausreichend Vitaminen und Nährstoffen versorgt. Pflanzliche Wirkstoffe wie Mönchspfeffer können auch helfen, den natürlichen Zyklus schneller wiederherzustellen und Beschwerden wie PMS und starke Regelschmerzen zu lindern. Diese Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, besprich dich aber am besten mit einem Arzt oder Heilpraktiker, bevor du sie einnimmst.

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