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Liebe deinen Nächsten – und dich selbst
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Liebe deinen Nächsten – und dich selbst

Von Katharina Goßmann

Lokah samastah sukhino bhavantu – Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich und frei sein.

Mangala Mantra aus der Rig Veda

Verliebt sein ist toll

Verliebt zu sein fühlt sich fantastisch an. Endlich hast du diesen einen Menschen gefunden, mit dem du dich ohne Worte verstehst, ohne den du nie wieder sein möchtest, der so klug ist, so unglaublich toll aussieht und dazu noch so gut riecht… 

Dummerweise hat dieser herrliche Zustand mehrere Nachteile. Zum einen geht er irgendwann zu Ende. Auch Paare, die perfekt zueinander passen, ihre Beziehung wirklich zu schätzen wissen und sie konsequent pflegen, bleiben nicht über Jahrzehnte wahnsinnig verknallt. Das ist nicht so tragisch wie es vielleicht klingt. Glücklich können Paare ja auch ganz unabhängig von hormonellen Ausnahmezuständen sein.


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Zum anderen bezieht sich Verliebtheit nur auf eine Person. Also nicht auf alle Wesen im Universum, nicht auf die sieben Millionen Mitmenschen auf diesem Planeten, ja, nicht mal auf die 100 Menschen in unserem Umfeld, die wir besser kennen. Nein, nur auf einen einzigen Menschen. Und das ist schade.

Denn auch wenn wir natürlich so viel Zeit wie möglich mit unseren Liebsten verbringen – die meiste Zeit sind wir von anderen Menschen umgeben. Etwa Kollegen, Busfahrern, Verkäuferinnen. Und wie wir mit diesen Menschen umgehen, und sie mit uns, das hat immensen Einfluss auf unsere Lebensqualität, unser Lebensglück. Ja, sogar den Weltfrieden.

Lächeln, Mitfühlen, Nett sein

Aktuell scheint die Liebe zum Mitmenschen nicht besonders ausgeprägt zu sein: Von aggressiver Hetze im Netz bis zu tätlichen Angriffen auf Flüchtlinge, von AfD bis Populismus, von umweltschädigendem Konsumwahn bis zum rapiden Anstieg von Smartphone-Sucht gibt es nicht viel, was hoffnungsfroh stimmt. Auch Tugenden wie Höflichkeit, Loyalität, Ehrlichkeit scheinen (so meine subjektive Alltagsbeobachtung) im Zwischenmenschlichen eher out.

Was aber kann ich dagegen tun, fragst du?

Viel! Oder, ganz konkret und pragmatisch: Du kannst deine Mitmenschen anlächeln, mit ihnen mitfühlen und schlicht lieb zu ihnen sein. Und zwar zu allen, und so oft wie du es irgendwie schaffst. Du kannst andere so behandeln, wie du selbst behandelt werden möchtest: verständnisvoll, im Zweifel für den Angeklagten, auch mal über Kleinigkeiten hinwegsehend. Du kannst dich in die Lage des anderen hineinversetzen und versuchen zu verstehen, was der gerade durchmacht, was er wirklich sagen möchte – gerade und besonders dann, wenn der schimpft und wütet und sich unmöglich benimmt. Du kannst dir klarmachen, dass das Verhalten der anderen nur sehr wenig mit dir zu tun hat, und so gut wie alles mit ihnen. 

Love changes everything

Denn, mal ganz egoistisch gesprochen: Wenn ich mich den ganzen Tag darüber aufrege, wie doof die Menschen sind, und wie schlecht die Welt, dann ruiniert mir das die Laune und die Gesundheit - besser wird dadurch aber nichts, kein einziges Problem wird gelöst, und die allgemeine Stimmung wird definitiv auch nicht angenehmer.

Wenn ich aber mein Herz öffne, dankbar bin für das Schöne, Wahre und Gute um mich herum, wenn ich hoffnungsvoll meinen Weg gehe, dann macht das die Welt sofort viel schöner. Zum einen fühle ich mich besser, alle Menschen um mich herum auch, und alles wird heller, im wahrsten Sinne des Wortes liebevoller. Denn jedes liebe Wort, jedes Lächeln kommt nicht nur zurück zu dir, sondern vervielfältigt sich – weil die Liebe in Form von Lächeln und guter Laune weitergetragen wird zu anderen Menschen, die sie dann wiederum an andere weitergeben. Und so weiter.

Liebe geben und nehmen ist das, was am allerglücklichsten macht. Das behaupt nicht nur ich, das ist solide erforscht. Je mehr Verbindung wir zu anderen Menschen aufbauen, desto lebendiger und zugehöriger fühlen wir uns. Wir Menschen sind eben soziale Tiere und brauchen diese Rudel-Wärme. Und je größer das Rudel, umso besser! Wenn wir einfach jeden Menschen auf der Welt als Mit-Reisender beim großen Abenteuer „Leben“ sehen, dann gibt es keine Feinde mehr, keine „Anderen“, sondern nur noch ein großes, warmes „Wir“. Hört sich herrlich an, oder?


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Egal, was du tust – ich liebe dich

Nicht, dass wir uns missverstehen. Es gibt Menschen, die schreckliche Dinge tun, es gibt solche, die kaum erträglich sind aufgrund ihrer Ansichten, und dann gibt es immer jemanden, der gerade nervt. Glücklicherweise ist das der echten, wahren Liebe zum Mitmenschen egal. Denn Liebe hat nichts damit zu tun, ob ich jemanden mag, attraktiv finde, seine Ideale oder Religion teile. Ich kann sogar problemlos gegen die Ideen eines Menschen kämpfen, gegenteilige Ziele aktiv anstreben – und trotzdem nicht gegen diesen Menschen kämpfen, sondern ihm mit aufrichtiger Liebe und Verständnis begegnen.

Make love, not war: Liebe heilt alles

Denn Liebe ist der beste Weg, wie wir alle mit möglichst viel Freude und möglichst wenig Schaden durch dieses Leben kommen können. Wie wir Probleme wirklich lösen und Konflikte klären können, mit Naturkatastrophen umgehen und mit drastischen Veränderungen unserer Lebensbedingungen zurecht kommen können.
Übrigens ist Liebe auch der einzige Weg, wie bereits entstandener Schaden geheilt werden kann. Denn wer erfahrene Schmerzen mit zugefügten Schmerzen beantwortet, der verlängert nur das Leiden. Wie sagte Gandhi so schön: „An eye for an eye makes the whole world blind“ (übersetzt: Das Prinzip "Auge für Auge" macht die ganze Welt blind).

Tatsache ist, dass alle Kriege der Welt (und dazu noch alle möglichen anderen Ungerechtigkeiten zwischen Menschen) beendet werden könnten, wenn ein bis zwei Generationen Kinder in Liebe erzogen werden würden – mit Liebe als oberste Priorität und höchste Verhaltensleitregel aufwachsen würden.

Du kannst nur lieben, wenn du dich selbst liebst

Leider ist das mit der allumfassenden Liebe im Alltag nicht ganz so leicht. Und es ist auch kein Wunder, dass es uns schwer fällt, liebevoll mit unseren Mitmenschen umzugehen, wenn wir es tatsächlich meistens nicht mal schaffen uns selbst anständig zu behandeln. Wir quälen unsere Körper mit Diäten, überarbeiten uns bis zum Herzinfarkt, beschimpfen uns selbst innerlich den ganzen Tag als dumm und peinlich und erlauben uns nicht wir selbst zu sein. Es ist eine Binsenweisheit, aber es stimmt: Wenn du dich selbst nicht lieben kannst, kannst du auch niemanden anderen lieben.

Das Beste für dich, alle deine Mitmenschen und die Welt als Ganzes ist also, wenn du erst mal anfängst, dich zu mögen und zu akzeptieren. So wie du bist, mit all deinen Schwächen, den kleinen Macken, den großen Neurosen, der Cellulite und dem Pickel am Po. Denn du bist wunderbar – ein Geschenk für diese Welt! Entspann dich und sei du selbst, dann wird es dir viel leichter fallen, das auch anderen zuzugestehen. 

Die besten Tipps für mehr Liebe in deinem Leben

Wenn du dich selbst annimmst, bedeutet das aber nicht, dass du ab diesem Moment automatisch im Alltag jedem deiner Mitmenschen liebevoll begegnen kannst. Deshalb hier ein paar Tipps, die dir helfen können, mehr Liebe in deine Interaktionen zu bringen: 

  • Es ist viel leichter anderen verständnis- und liebevoll zu begegnen, wenn du gut für dich sorgst: Also schlafe ausreichend, esse lecker und vollwertig und zu festen Zeiten, sorge für viel Bewegung – und stelle sicher, dass du mindestens ein Mal pro Tag etwas machst, was dich richtig glücklich macht. Das hält dich gesund und fit, stärkt die Nerven – und sorgt für gute Laune, die du dann in Form von Liebe in die Welt hinaus tragen kannst.
  • Viele von uns wurden nicht auf Liebe als Leitbild geprägt, sondern eher auf Leistung, Status, Erfolg. Um das zu ändern, ist Meditation ein wunderbarer Weg. Wenn du regelmäßig (am besten jeden Morgen) eine Metta-Meditation für Mitgefühl und Liebe (s. auch oben) machst, wirst den ganzen Tag über mehr Liebe ausstrahlen. Und auf Dauer garantiert auch mehr davon aus deiner Umwelt zurückbekommen!
  • Und was, wenn eine Begegnung mit einem Mit-Menschen mal so richtig unschön ist? Dann  ist es wichtig, nicht unüberlegt zu reagieren, sondern bewusst zu agieren. Das geht am besten, wenn du ruhig bist, und bei dir. Dann kannst du auch in einer solchen Situation dein Gegenüber mit Liebe betrachten und vielleicht sogar das Problem auflösen:
    • Um dich zu beruhigen und zu zentrieren, zieh dich, wenn irgend möglich, kurz raus aus der Interaktion.
    • Reagiere die Aufregung körperlich ab: Schüttel deine Hände aus, hüpfe auf der Stelle – wenn unauffällig möglich – oder schrei kurz in ein Kissen...
    • Atme dann zehn Mal tief ein und aus, während du ein „Mantra” deiner Wahl sprichst: Vielleicht helfen dir „In einer Welt, in der ich alles sein kann, wähle ich liebevoll zu sein”, „Sie/er tut gerade sein Bestes”, „Ihr/sein Verhalten hat nichts mit mir zu tun”, „Das ist kein Notfall, nur ein emotional aufgebrachter Mensch”  oder eben „Lokah samastah sukhino bhavantu” trotz der Situation eine liebevolle innere Haltung einzunehmen. 

Wir wünschen dir ein Leben voller echter, wahrer, beglückender, allumfassender Liebe!

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