Du verwendest einen veralteteten Browser (Unknown Browser 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Intuitive Ernährung: Achtsam und genussvoll essen
Jamie Brown auf Unsplash

Intuitive Ernährung: Achtsam und genussvoll essen

Von Christiane Eitle

Intuitive Ernährung beginnt im Kopf und nicht auf deinem Speiseplan. Du triffst Essensentscheidungen ausschließlich basierend auf deinem inneren Hunger- und Sättigungsgefühl. Das ist durchaus fordernd, denn um deine eigene Körperintelligenz wiederzufinden, musst du gesellschaftliche und mentale Konzepte durchbrechen und Achtsamkeit in dein Leben bringen.

Emotionen zu fühlen und zu akzeptieren, ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Herausforderungen in unserem Leben. Wer spürt schon gern Schmerz, Traurigkeit oder Einsamkeit? Wir merken oft gar nicht, wie wir ganz automatisch Maßnahmen zur schnellen Betäubung ergreifen. Essen steht dabei ganz oben auf der Liste. Wie oft haben wir schon bei Liebeskummer die Schokolade in uns hineingestopft und unkontrolliert bei jedem Gefühl von Unwohlsein gesnackt? Dieses Essverhalten ist bei vielen Menschen die Ursache für die paar Kilos „zu viel” auf der Waage. Intuitive Ernährung verfolgt nicht das Ziel der Gewichtsabnahme. Wenn du jedoch aufhörst, gesteuert von unterdrückten Gefühlen zu essen, kann sie dir helfen, dein individuelles biologisches Idealgewicht zu finden.

Wie die Gesellschaft unsere mentalen Konzepte prägt

Die gigantische Ernährungsindustrie suggeriert uns ständig, dass wir das Falsche essen, und jedes Jahr verspricht ein neues Superfood die Heilung. Wir probieren eine Diät und Essensregel nach der anderen aus, um gesünder zu sein und endlich das vermeintliche Idealgewicht zu erreichen. Dabei hat unser Körper eine ganz eigene innewohnende Intelligenz und weiß genau, was er wann benötigt, um zu überleben und gesund zu sein. Leider ist den meisten Menschen der Zugang zu dieser Intelligenz jedoch abhandengekommen. Das Überangebot an Nahrungsmitteln bringt den Körper durcheinander, und der Dauerstress führt zu schnellem, unbewusstem und oft übermäßigem Essen.


Gesünder leben mit Ayurveda & Yoga
Du möchtest gerne gesünder leben und dabei einfache Routinen kreieren, die individuell zur dir passen und deine Yogapraxis unterstützen? In drei Wochen lernst du in unserem Programm nicht nur die Grundprinzipien des Ayurveda, der traditionellen indischen Heilkunst, kennen, sondern diese auch in deinen modernen und vollen Alltag zu integrieren.
JETZT ANMELDEN

Um unser Essverhalten zu verändern, reicht es nicht, einer dogmatischen Ernährungsweise zu folgen. Jede Form von Regeln spricht unserem Körper seine eigene Weisheit ab. Der Diätplan sagt nur Rohkost, während der Körper nach einer Scheibe Brot schreit. Du willst unbedingt Veganerin sein – anders als bei deiner Freundin löst das jedoch ein niedriges Energielevel aus. Menschen haben verschiedene Konstitutionen, und wir benötigen unterschiedliche Nahrungsmittel. Auf diesem Konzept beruht übrigens auch die jahrtausendealte Wissenschaft des Ayurveda.

Viele Menschen essen, um Emotionen zu betäuben

Anders zu essen bedeutet, anders zu denken. Intelligente, intuitive und eigenverantwortliche Ernährung setzt voraus, dass wir unsere Emotionen wahrnehmen, sie akzeptieren und achtsamer auf den Körper hören. Wir wissen, dass der Griff in die Keksdose bei Traurigkeit nur kurzfristig helfen würde. Sobald das Glücksgefühl vorbei ist, würden wir erneut in die Dose greifen und hinterher über ein Kilo mehr auf der Waage noch trauriger sein. Daher entscheiden wir uns bewusst dagegen. Wir durchbrechen den Teufelskreis, indem wir uns den Gefühlen stellen. Sie in unserem Körper und Geist beobachten, da sein lassen und akzeptieren. Sobald wir das schaffen, unterbrechen wir die automatische Kompensation durch Essen.

Neben Emotionen gibt es noch weitere Faktoren außer Hunger und Sättigung, die unser Essverhalten beeinflussen. So essen wir bestimmte Dinge, weil wir denken, dass sie gesund sind, oder greifen beim geselligen Buffet zu. Andere Nahrungsmittel lassen wir weg, weil wir glauben, sie nicht zu vertragen. Wir essen aus Gewohnheit unser traditionelles Abendbrot, wir probieren aus Neugier neue Lebensmittel oder essen am Geburtstag Kuchen, weil man das eben tut.

intuitives Essen

Emotionsbedingt oder nicht, wir essen häufig, ohne überhaupt Hunger zu haben. Durch intuitives Essen lernen wir, wieder auf das eigene Hunger- und Sättigungsgefühl zu hören. Wir besinnen uns auf unsere natürliche Ernährungsweise und zählen nicht ständig die Kalorien. Bei meinem ersten Vipassana-Retreat habe ich durch achtsames Essen drei Kilo abgenommen. Vor jeder Mahlzeit versprachen wir, die Nahrung bewusst zu verzehren, jeden Bissen zu spüren und zu schmecken und uns nicht gierig zu überessen. Das Ziel des Essens war einfach nur, das Hungergefühl zu beseitigen. Obwohl es köstlich war, schaffte ich es, nicht noch einmal zum Buffet zu gehen, als ich satt war.

„Diäten sagen dir nur, was du wie oft essen sollst. Sie sind nicht auf den individuellen Menschen bezogen. Die intuitive Ernährung bringt dich in die Selbstverantwortung.”

Julia Ware

Interview mit Julia Ware, Ernährungstherapeutin und Expertin für intuitive Ernährung

Julia Ware Intuitives Essen

Ich habe mich über das Thema der intuitiven Ernährung mit der Berliner Ernährungstherapeutin Julia Ware unterhalten. Sie hilft ihren Kunden mit achtsamkeitsbasierter Verhaltenstherapie, Hypnose und andere Methoden, wieder Kontrolle über ihr Essverhalten zu gewinnen und sich mit mehr Intuition und Leichtigkeit zu ernähren.

Was ist intuitive Ernährung, und wie funktioniert sie?

Das Ernährungskonzept der intuitiven Ernährung gibt es in den USA bereits seit den 70er-Jahren, und basiert es auf der Erkenntnis, dass Diäten nicht funktionieren. Es braucht einen komplett neuen Lebensstil, um Ernährungsweisen zu verändern. Populär wurde die intuitive Ernährung im Jahr 1995 durch das Buch „Intuitive Eating” (deutscher Titel „Intuitiv abnehmen”) von Elyse Resch und Evelyn Tribole. Was gegessen wird, ist, anders als bei Diäten, sekundär. Die wichtigsten drei Säulen der intuitiven Ernährung sind das generelle Mindset sowie die Einstellung gegenüber Essen, der Fokus auf den Körper sowie die Emotionen und zuletzt die eigene Gesundheit.

Wissen über Ernährung reicht nicht aus, um das Essverhalten zu verändern. Denn wir essen nicht nur basierend auf logischen Fakten, sondern häufig sehr emotions- und umweltgesteuert. Dich intuitiv zu ernähren setzt voraus, dass du einmal verstanden hast, was du wann und warum isst. Jemand, der sich intuitiv ernährt, nimmt sich Zeit zu spüren, was der Körper in diesem Moment wirklich braucht. Ist er hungrig, satt, erhitzt, braucht er etwas Süßes, Reichhaltiges oder Leichtes? Es gibt beim intuitiven Essen keine Regeln darüber, was gegessen werden darf oder soll. Intuitive Ernährung bedeutet, Vertrauen in den Körper und seine Signale zu haben. Sie bringt Leichtigkeit, Freiheit sowie Klarheit und Gelassenheit in dein Essverhalten.

Die 10 Richtlinien des intuitiven Essens

1. Die Diätmentalität ablegen

Die intuitive Ernährung ist keine Diät. So lange dich der Drang abzunehmen antreibt und ein Diätgedanke dahinter steckt, kannst du dich nicht intuitiv ernähren. Jede Diät steht im Widerspruch zu der intuitiven Ernährung. Denn wenn du den Regeln einer Diät folgst, gibst du die Selbstverantwortung ab. Lerne auf den eigenen Körper zu hören, ihn zu akzeptieren und dich nicht vom Diätwahn der Gesellschaft antreiben zu lassen.

Diäten setzen immer voraus, dass wir alle gleich sind und ähnlich funktionieren. Wir haben jedoch alle sehr unterschiedliche Stoffwechsel, Verträglichkeiten und Bedürfnisse. Diäten funktionieren nicht, weil sie meistens gegen unsere Natur gehen. Wenn jemandem intermittierendes Fasten guttut, heißt es nicht, dass es auch anderen reicht, wenn sie nur in einem 8-Stunden-Abschnitt essen. Manche Menschen nehmen mit Low Carb ab, andere nicht.

2. Nimm deinen Hunger ernst

Wenn du Hunger hast, solltest du auch etwas essen. Höre auf die Bedürfnisse deines Körpers und erkenne Hungergefühle an. Wenn du übermäßig hungerst, dann geht dein Körper in den Überlebensmodus und du wirst tendenziell eher mehr essen. Der Körper weiß, was er wann braucht, und das darfst du respektieren.

3. Schließe Frieden mit dem Essen

Es gibt kein gutes und böses Essen. Alle Nahrungsmittel sind erst mal gleich. Schokolade, Zucker und Fett sind nicht böse, so wie Obst, Gemüse und Chiasamen auch nicht nur gut sind. Es sind einfach nur Nahrungs- und Lebensmittel, die deinen Körper auf verschiedene Weisen mit Energie versorgen. Erlaube dir alles zu essen, denn wenn du dir gewisse Lebensmittel verbietest, steigert das nur dein Verlangen danach, führt zu Fressattacken und vielen Schuldgefühlen.

intuitives Essen

4. Fordere die Lebensmittelpolizei heraus

Die Diätindustrie hat uns zu unserer eigenen Lebensmittelpolizei gemacht. Wir verurteilen uns für die „Sünde Schokoladenkuchen” und loben uns, wenn wir nur 500 Kalorien essen. Unsere Diätkultur gibt uns vor, wie wir uns zu fühlen haben, wenn wir essen oder nicht essen. Höre auf damit, dich für dein Essen zu bestrafen oder belohnen.

5. Höre auf dein Sättigungsgefühl

Wir haben verlernt, auf das Sättigungsgefühl zu hören und darauf zu reagieren. Wenn wir Diäten machen, folgen wir einem Ernährungsplan mit konkreten Vorgaben, und das Sättigungsgefühl ist gar nicht gefragt. Wenn du achtsam isst und kleine Pausen machst, kannst du besser wahrnehmen, ab welchem Moment du angenehm gesättigt bist. Lerne, wieder auf diese Körpersignale zu hören.

6. Entdecke den Zufriedenheitsfaktor

Essen darf Freude bereiten und ein Genuss sein. Achtsam und genussvoll zu essen, bringt eine Zufriedenheit, die sich auf dein ganzes Leben auswirken kann. Ein Gefühl, das nachhaltiger ist als ein kurzfristiges Zuckerhoch.

7. Lerne Essen ohne Gefühle

Wir alle essen emotional. Wenn wir in guter Gesellschaft am Buffet einmal über die Stränge schlagen, ist das überhaupt nicht dramatisch. Wenn du jedoch Essen brauchst, um mit Gefühlen wie Frust und Einsamkeit umzugehen, wird es zu einem Problem für deine Gesundheit. Das Essen dient als Kompensationsmittel, und es kann zu einer Form von gestörtem Essverhalten werden. Süchte haben mit dem Suchtmittel meistens wenig zu tun. Essen, Alkohol oder Drogen fungieren oft als Bewältigungsstrategien für eine unterliegende psychische Problematik.

Das Problem ist, dass Essen so wunderbar funktioniert, um Gefühle kurzfristig zu kompensieren. Langfristig ist es jedoch ein Teufelskreis, in dem du nur ein Pflaster auf deine Emotionen geklebt hast. Je weniger Bezug du zu deinen Gefühlen hast, desto schwieriger wird dieser Aspekt der intuitiven Ernährung.

8. Respektiere und akzeptiere den eigenen Körper

Viele Menschen lehnen ihren Körper ab. Die Medien leben uns unrealistische Körpervorstellungen vor, mit denen wir uns vergleichen. Entwickele Dankbarkeit für deinen Körper. Es ist dein Körper, und die wenigsten von uns werden in ihrem Leben utopische Topmodel-Maße erreichen. Wir verändern uns leichter, wenn wir die Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Erst wenn du erkennst, dass du ein Problem hast und damit aufhörst es wegzudrücken, kannst du dich weiterentwickeln.

9. Finde Freude an der Bewegung

Intuitive Bewegung bedeutet, etwas zu finden, das dir Spaß macht. Erfreue dich an der Bewegung und nicht an dem Ergebnis. Treibe Sport nicht um abzunehmen, sondern um Freude zu haben. Wenn du lieber tanzen gehst, als Gewichte im Fitnessstudio zu stemmen, ist das genau das, was du tun solltest.

10. Ehre deine Gesundheit

Du musst dich nicht perfekt ernähren, um gesund zu sein. Es ist viel wichtiger, eine ausgewogene Balance zwischen nährstoffreichem und zwischenzeitlichem, genüsslichem Snacken zu finden.

„Intuitive Ernährung fordert den stärksten Motivationsfaktor – deine intrinsische Motivation.”

Julia Ware

Intuitives Essen fordert deine intrinsische Motivation. Das bedeutet, dass du von dir aus etwas ändern möchtest. Reguläre Diäten sind oft extrinsisch motiviert, denn wir machen sie für jemand anderen, damit wir in das Bild der Gesellschaft passen. Der intrinsische Motivationsfaktor ist der stärkere und auch nachhaltigere Faktor. Intuitive Ernährung geht sehr tief und ist nicht einfach. Um an den Punkt zu kommen, diese Richtlinien umzusetzen und in das Leben zu integrieren, sind verhaltenstherapeutischen Methoden und andere Tools sehr hilfreich.

Was sind die Ursachen für ein immer negativeres Selbstbild und schlechteres Körpergefühl?

Es gibt viele Ursachen, jedoch ist das Vergleichen mit anderen Menschen in den sozialen Medien und im Alltag ein immer größer werdendes Problem. Wir leben in einer Welt, in der wir dazu motiviert werden, immer noch besser, erfolgreicher oder schöner zu werden. Dieses permanente Mangelgefühl führt dazu, dass wir nicht wissen, wie wir uns selber lieben und akzeptieren können. Zudem haben viele von uns nicht gelernt, mit negativen Gefühlen umzugehen. Eine weit verbreitete Lösung ist die Betäubung und Kompensation mit Essen, Alkohol oder anderen Süchten.

Schon seit das Bild der schlanken Frau zum ersten Mal populär wurde, gibt es Diäten. Heute definieren wir uns immer mehr über das Äußere. Schlank bedeutet erfolgreich, schön, begehrenswert. Wir müssen uns privat wie auch beruflich immer mehr in sozialen Medien zeigen und darstellen. In diesem Umfeld vergleichen wir uns mit Tausenden von anderen Menschen. Natürlich gibt es immer Menschen, die Dinge besser können, anders oder „schöner” aussehen. So ist das Leben. Leider sucht das Auge immer nur das Schlechte und sieht nur „Ich bin nicht gut genug” oder „Ich reiche nicht”. Wir sehen nicht, was wir gut können und was schön an uns ist.

Wieso kann ich mit intuitivem Essen abnehmen?

Abnehmen ist nicht das Ziel von intuitivem Essen. Wenn der Fokus auf dem Abnehmen liegt, wird intuitive Ernährung schwierig. Denn der Wunsch abzunehmen steht im Widerspruch dazu, auf seine Körpersignale zu hören. Viele nehmen jedoch automatisch ab, wenn sie aufhören, emotional zu essen. Es ist natürlich ein langer Prozess und keine Low-Carb-Diät, bei der man schnell drei Kilo runter hat. Das Ziel ist es, dein biologisches Gewicht zu erreichen, und dies ist bei manchen höher und bei anderen niedriger. Man findet durch intuitive Ernährung ein Level von Essen und Gewicht, das ohne große Einschränkungen befriedigt und in Balance ist.

Wie hilft achtsamkeitsbasierte Verhaltenstherapie dabei, wieder intuitiv essen zu lernen?

Julia Ware arbeitet mit der Akzeptanz- und Commitment Therapie ACT, die der Psychotherapeut Steven C. Hayes entwickelt hat. Sie basiert auf sechs Säulen:

  1. Akzeptanz
  2. Diffusion von Gedanken, die uns festhalten
  3. Werte
  4. Verankerung im Hier und Jetzt
  5. engagiertes Handeln
  6. sich selbst als Kontext sehen

ACT ermöglicht es oft in nur kurzer Zeit, neue Perspektiven zu gewinnen. Du lernst, die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Gleichzeitig findest du heraus, was es braucht, damit du ein erfüllteres Leben führen kannst, um dann ins Handeln zu kommen.

„Der Gedanke und das Gefühl ,Ich bin so gefrustet – ich brauch jetzt dringend etwas zu essen‘ hat nichts mit dem Hier und Jetzt zu tun.”

Julia Ware

Vor allem Achtsamkeit bzw. Diffusion von Gedanken ist bei dieser Therapie ein zentrales Thema. Es bedeutet, sich von steuernden Gedanken zu lösen und Handlungsalternativen zu erkennen. Oft übermannen uns die Gedanken von „Ich brauche jetzt Schokolade” so dermaßen, dass wir quasi mit dem Gedanken verschmelzen. Wir können uns davon nicht distanzieren und agieren machtlos und wie ferngesteuert. Durch ACT lernst du, Abstand zu deinen Gedanken zu bekommen. Dich im Hier und Jetzt zu verankern, damit du den Gedanken klar erkennen und beobachten kannst. Wenn du es schaffst, dich von deinen Gedanken ein Stück zu lösen und dich wieder im Hier und Jetzt zu verankern, erkennst du, dass du plötzlich die Wahl bekommst, dich so oder auch anders zu verhalten.

Wie können Hypnose und Klopftechnik bei der intuitiven Ernährung unterstützen?

Hypnose ist eine unterstützende Therapieform und kein Wundermittel. Es braucht unbedingt eine grundsätzliche Veränderung des Verhaltens durch z. B. die Verhaltenstherapie. Ansonsten bleiben wir ewig in dem Teufelskreis gefangen. Es mag uns mit Hypnose kurze Zeit besser gehen, aber wir bleiben auf lange Sicht in demselben Gedankenkarussell. Dennoch wirkt Hypnose bei dem Prozess der Verhaltensänderung unterstützend und auflösend. Selten hat ein problematisches Essverhalten mit dem Essen per se zu tun. Oft liegt der Ursprung in traumatischen Erfahrungen und Situationen in unserem Leben, mit denen wir nicht zurechtgekommen sind.

Hypnose ist eine Therapie der Gefühle, durch die Menschen mit Essproblemen eine tiefgehende emotionale Erleichterung erfahren können. Gleichzeitig kann sie auch dafür eingesetzt werden, das Selbstwertgefühl zu stärken. Anders als bei einer suggestiven Hypnose, bei der oftmals „Schokolade ist böse” suggeriert wird, wird bei der auflösenden Hypnose die Ursache des Problems angegangen.

Als Ausgangspunkt für die Hypnose benutzt Julia oft das Thema Essen in Verbindung mit dem vorherrschenden Gefühl. Du gehst beispielsweise in das Gefühl hinein, das du erlebst, wenn du auf dem Sofa sitzt und plötzlich essen willst. Durch die Hypnose kannst du das Gefühl bis zu seinem Auslöser zurückverfolgen. Oft sind es Verlustangst oder traumatisierende Erlebnisse, die sich über Jahre aufgestaut haben. Manchmal sind es auch nur „Kleinigkeiten”, die wir als Kind als schlimm abgespeichert haben, heute als Erwachsene aber gar nicht mehr so empfinden. Mit der Hypnose gelingt es, das Gefühl oder den emotionalen Druck so zu erschöpfen, dass davon nichts mehr übrig bleibt. Im Prinzip wie beim Weinen: Erst entsteht großer Druck, dann kommen die Tränen, und oft sind Erleichterung und Akzeptanz die Folge.

Die Klopftechnik ist eine wunderbare Methode, mit der du selbst den emotionalen Druck aus akuten schwierigen Situationen rausnehmen kannst. Ich arbeite mit PEP: Prozess- und embodimentfokussierter Psychologie. Wenn du Ängste, Ärger oder Stress empfindest, können das Klopfen und Stimulieren der Akupressurpunkte Erleichterung verschaffen. Manchmal können die schweren Emotionen sogar ganz verschwinden. Die 13 Körperstellen liegen an Händen, Kopf und Brust, entlang der Meridiane.

+++ In diesem Artikel über Entspannungsmethoden findest du eine Anleitung für die sogenannte EFT-Technik. +++

Die australische Psychologin Dr. Peta Stepleton konnte in klinischen Studien die Wirksamkeit von Klopftechniken bei der Gewichtsregulierung und Ernährung nachweisen. Das Klopfen verringert die Intensität von Emotionen wie Kummer, Frust oder Stress, die zum Essen verleiten. Vor allem bei sogenannten Triggerfoods wie Erdnüssen, Chips oder Schokolade, die oft Auslöser für Fressattacken sind, kann das Klopfen dich wieder in die eigene Handlungsfähigkeit bringen.

Die Klopftechnik basiert auf der Embodiment-Theorie, die die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche beschreibt. Unser geistiger Zustand manifestiert sich demnach im Körper, so wie körperliche Beschwerden die Psyche prägen. Emotionen sind Erinnerungen, und sie sind am fragilsten, wenn wir uns daran erinnern. Wenn du gleichzeitig klopfst, dann passiert das im Hier und Jetzt. Die neuronale Verbindung der im Körper gespeicherten Emotion löst sich, und die Emotionen werden milder oder verschwinden ganz.

Hilft intuitives Essen bei Essstörungen, Krankheiten oder Neurosen?

Man muss zwischen Essstörungen und gestörtem Essen unterscheiden. Die intuitive Ernährung ist erst einnmal keine Lösung für Menschen mit krankhaften Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie, denn das ist ein sehr spezielles Thema, bei dem man oft in den medizinischen Notbereich kommt. Die Übergänge von gestörtem Essen zur Essstörung sind fließend, und in jedem Krankheitsbild gibt es verschiedene Facetten und Ausprägungen. Generell hilft das Prinzip der intuitiven Ernährung bei Binge-Eating, Adipositas oder Bulimie schon, jedoch gibt es andere Themen wie Körperwahrnehmung oder das Selbstbild, die zunächst psychotherapeutisch angegangen werden sollten.

Intuitives Essen kann die generelle Gesundheit sehr positiv beeinflussen. Sie führt häufig zu besseren Blutwerten, gesenkten Entzündungswerten und einem gesünderen Cholesterinspiegel. Vor allen Dingen wirkt sich die intuitive Ernährung auf die psychische Gesundheit aus. Ein niedrigeres Stresslevel, mehr Zufriedenheit und eine positivere Lebenseinstellung sind oft die Effekte eines entspannteren Essverhaltens.

Wie du die Kontrolle zurückbekommst, wenn dich das Frustessen im Griff hat

Wenn dich plötzlich die Lust nach Schokolade übermannt und dieser Gedanke die Kontrolle übernimmt, dann ist es das Wichtigste, einen kurzen Moment herzustellen, in dem du wieder handlungsfähig wirst. Gut eignet sich da eine kurze Achtsamkeitsübung, mit der du einen Anker wirfst, der dich im Strudel der Gefühle festhält, du also nicht davon getragen wirst:

  1. Atme dreimal tief ein.
  2. Benenne fünf Dinge, die du gerade sieht.
  3. Benenne fünf Geräusche, die du gerade hörst.
  4. Benenne den Geruch oder zwei verschiedene Gerüche um dich herum.
  5. Als Letztes versuche alles gleichzeitig zu tun: Sehen, hören, riechen.
  6. Und dann ab mit der Schokolade in den Schrank!

Julia Ware ist Verhaltens- und Hypnosetherapeutin und bietet online sowie in ihrer Praxis in Berlin Einzel- und Gruppentherapie zum Thema intuitive Ernährung an. Sie hilft Menschen, die mit ihrem Gewicht und Körper unglücklich sind. Ihr Ziel ist es, sie wieder in ihr inneres und äußeres GleichGewicht zu bringen. Wenn du solch eine Unterstützung suchst, dann melde dich bei ihr für ein kostenloses Informationsgespräch. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten auf www.gleichgewicht-hypnose.de. Ihr kostenloses E-Book mit Tipps zum intuitiven Essen kannst du hier herunterladen.

Wissenschaftlich bewiesen: Intuitives Essen macht gesund und glücklich

intuitives Essen

Im Hinblick auf immer mehr übergewichtige Menschen und das Versagen diverser Diäten führte der US-amerikanische Professor Hawks im Jahr 2005 eine Studie über den Zusammenhang zwischen intuitivem Essen und Gesundheit unter College-Studentinnen durch. Bei Frauen, die sich ausschließlich auf Basis von körperlichen Hungersignalen ernährten, konnte ein geringerer BMI, niedrigere Blutfettwerte und weniger Herzkreislauf-Risikofaktoren nachgewiesen werden.

Eine weitere Studie unter 1.200 College-Studentinnen, durchgeführt von der US-amerikanischen Professorin für Psychologie Tylka im Jahr 2006, zeigte zusätzliche psychologische Effekte von intuitiver Ernährung. Die Frauen hatten ein besseres Selbstwertgefühl und waren generell positiver gestimmt und mit ihrem Leben zufrieden. Frauen, die sich intuitiv ernährten, tendierten weniger dazu, sich für ihren Körper zu schämen oder mit anderen zu vergleichen. Zudem konnten sie Körpersignale wie Hunger, Sättigung, Herzschlag oder Atmung besser wahrnehmen als Frauen, die sich nicht intuitiv ernährten.

Laut einer Studie unter 2.287 jungen Erwachsenen von Kara Denny im Jahr 2013 ist intuitives Essen eine gesunde und effektive Methode für Gewichtsmanagement. Die Männer und Frauen, die sich intuitiv ernährten, hatten ein größeres Vertrauen in ihre eigenen Körpersignale und neigten weniger zu gestörtem Essverhalten. Auch waren sie weniger anfällig für ständige Diäten zur Gewichtsabnahme oder Binge-Eating.

zurück nach oben