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Die Wirbelsäule: Wirbel für Wirbel erklärt
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Die Wirbelsäule: Wirbel für Wirbel erklärt

Von Birgit Feliz Carrasco

Unsere Anfänge: Bevor der Mensch sich aufrichtete

Vom ersten Einzeller bis zum aufrechten Gang des Menschen dauerte es Millionen von Jahren. Aber dann explodierte die Evolution auf Erden förmlich. Denn mit der Aufrichtung des Menschen wurde zwar die Laufgeschwindigkeit geringer, dafür aber die Gestaltungsmöglichkeiten in der Umwelt vielfältiger. Ehemalige Vorderläufe entwickelten sich zu greifenden und formenden Händen, und die – jetzt vertikal aufgerichtete – Wirbelsäule machte Gehirn und Sinnesorgane zielgerichteter einsetzbar und erhaben.

Die Wirbelknochen entwickelten sich im Laufe der Zeit weiter, und zusätzliche Nervenstränge im Inneren der Wirbelsäule entstanden, um das wachsende Gehirn vom ehemals instinktiv-reaktiven Stammhirn zu einem effizienten Großhirn zu erweitern. Ein Gehirn, das heute noch die Verarbeitungskapazität und Rechenleistung von Mega-Computern arm aussehen lässt.

„Der Träger des Lebens ist Wirbelsäule. Das Leben wollte sich offenbaren, und so erweiterte es den obersten Wirbelknochen des Rückgrats und schuf darauf den Schädel.”

Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich in „Sport und Yoga”

(R)evolutionärer Umbau der Wirbelsäule

Eine Art Revolution des Menschen gegenüber anderen Lebewesen begann. Die wachsende Aktivitätsfähigkeit machte die ersten Menschen und ihre Nachkommen kreativer. Dies und die zunehmende Wahrnehmungsfähigkeit ihrer Sinnesorgane Augen, Ohren, Nase, Mund und Haut als Tastorgan machten den weiteren Ausbau des Gehirns sowie stabile wie sichere Verbindung zum restlichen Körper nötig, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können. Die Wirbelsäule des menschlichen Körpers erhielt einige natürliche Krümmungen sowie nach unten hin stabilere, größere Wirbelkörper, um das zunehmende Gewicht des Kopfs nebst Großhirn abzufedern und vor Erschütterungen zu schützen, die die klare Wahrnehmungsfähigkeit der Sinnesorgane gefährden könnten.


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Und heute? Vom aufgerichteten zum sitzenden Menschen

Das Resultat der Evolution kennen wir: der Mensch von heute, auch Homo Sapiens genannt – lateinisch für „verstehender, weiser, gescheiter, vernünftiger Mensch”. Ist das so? Die Evolution scheint diesbezüglich nicht abgeschlossen, denn die inzwischen überwiegend sitzende Lebensweise kombiniert mit hohem Stressaufkommen und Leistungsdruck belasten die Wirbelsäule physisch wie psychisch.

Die Tatsache, dass die Wirbelsäule mit ihrem inwendig liegenden Rückenmark auch ein Sinnesorgan ist, ist wenigen Menschen bewusst. Und doch ist es so: Die Wirbelsäule reagiert damals wie heute auf äußere Begebenheiten. Das Rückenmark im Inneren deiner Wirbelsäule leitet Erlebnisse an das Gehirn und deine inneren Organe weiter zwecks Reaktion und Einprägung für künftig eintretende Bedarfsfälle. Und so ist Rückenschmerz häufig nicht nur ein Schmerz des Bewegungsapparats, sondern auch ein mentaler Belastungsschmerz oder Resultat eines emotionalen Traumas. Yoga ist also nicht nur für deinen Rücken und deinen Körper ein essenzieller Heilansatz, sondern auch für die Psyche.

Psychosomatik – die Lehre der Verbundenheit

Im Yoga geht es um Verbundenheit – ganz so wie bei der Verbindung zwischen Psyche (altgriechisch für „Seele”) und Soma (altgriechisch für „Körper“). Was der Mensch an Gefühlen erlebt, ob Liebe oder Trauma, ob Glück oder Leid, ob Freiheit oder Angst, erlebt der ganze Körper, weil alle Sinnesorgane inklusive der Wirbelsäule respektive des Rückenmarks wahrnehmen, verarbeiten, reagieren und speichern.

Heitere Gefühle schüren deine Hormonproduktion, deinen Stoffwechsel und halten dich in lebensfreudiger Bewegung. Emotionen des Leids und der Angst traumatisieren und blockieren deine Lebensenergie. Dabei ist es aus yogischer Sicht nicht die Seele, die leidet – die ist durch ihre Anbindung an die göttliche Urquelle unversehrbar. Das, was man heute unter Psyche versteht, ist dagegen der innere Raum, in dem Sorgen und emotionale Schmerzen entstehen. Die Psyche kreiert die sogenannten Kopfgefühle, die zwar hartnäckig, tief eingegraben und nahezu dauerhaft geprägt, jedoch selten real sind. 

Beispiel: Eine Bedrohung wie bei einem Tigerangriff kommt heute selten vor. Dennoch reagiert der Körper bei jeglichem Stress wie bei einem solchen Angriff aufs Leben. Der zürnende Chef wird mit einem lebensgefährdenden Tigerangriff unbewusst gleichgesetzt. Damit beginnt der autonome Reaktionsablauf des Weglaufens, der steifen Wirbelsäule und der maximalen Muskelanspannung (besonders in Nacken, Schultern und Rücken). Diese „Flight or Fight”-Reaktion läuft täglich bei jedem Ärgernis ab, obwohl doch das Leben gar kein Dauer-Notfall ist. Beobachte deinen Körper, wenn du vorm Computer sitzt und dir sagst: „Ach, das mache ich jetzt schnell noch fertig!” oder „Jetzt konzentrier dich doch!” So bist du stets im Alarmmodus – und deine Wirbelsäule (bald) steif.

Das Meisterwerk Wirbelsäule

Die Wirbelsäule des Menschen ist ein Design-Award-würdiges Meisterwerk: flexibel und gleichzeitig stabil mit enormer Tragkraft und Belastbarkeit. Zudem so gebaut, dass alle Wirbelknochen einen Hohlraum für ein kompaktes „Kabelbündel” aus Nervenfasern haben. Darin liegt das Rückenmark, das im Inneren bei jeder Bewegung geschützt ist, um seiner Aufgabe des Informationsaustauschs vom Gehirn in den Körper und vom Körper zum Gehirn jederzeit und in Sekundenschnelle gerecht werden kann. Auf der Spitze der Wirbelsäule thront der Kopf, erhaben und edel. Stell dir vor, wie du mit jeder Asana deiner Yoga-Praxis dir selbst dein Haupt gleich einer Krone wieder hübsch zurechtrückst... Yoga macht KönigInnen!

  • Die Wirbelsäule besteht aus insgesamt 24 Wirbelkörpern – sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln, fünf Lendenwirbeln –, die vorwärts wie rückwärts neigbar, nach links und rechts beugbar und mehr oder weniger zueinander drehbar sind und dennoch einen stabilen wie biegbaren Stab bilden.
  • Der Durchmesser der Wirbel vergrößert sich von oben nach unten, um bestmögliche Stabilität und Tragkraft zu gewähren.
  • Zu diesen 24 Wirbeln kommen noch das Kreuzbein und das Steißbein, die jeweils aus mehreren miteinander verwachsenen Wirbeln bestehen. 
  • Auf den jeweiligen Auflageflächen der Wirbelknochen liegen bekanntermaßen Bandscheiben, die eine Art festummantelte Gel-Pads sind. Sie dienen erstens als Puffer, Stoßdämpfer sozusagen, damit das Gehirn nicht im Dauerkopfschmerz vor Erschütterung ist. Zweitens sind Bandscheiben zwingend notwendig, um Bewegungen der Wirbelsäule in diverse Richtungen zu ermöglichen, ohne dass die knöcherne Struktur aneinander abreibt und verschleißt.
  • Alle Wirbelkörper verfügen über einen mittigen Durchlass, der über die Länge der Wirbelsäule einen Kanal für das Rückenmark bildet. Das Rückenmark besteht aus kompakten Nervensträngen, das vom unteren Bereich des Gehirns (Medulla oblongata) über den Kanal der Wirbelsäule bis in den unteren Rücken reicht. Zwischen jedem Wirbelkörper verzweigen sich die Nerverstränge in sogenannte Spinalnerven, die jeweils links und recht seitlich vom Rückenmark ausgehend in allen Körperregionen an Muskeln, Gelenken und an allen Organen als Informationsdraht andocken.

Bandscheibe Wirbelsäule


Die Kurven der Wirbelsäule

Vier natürliche Krümmungen hat die menschliche Wirbelsäule, die viele Vorteile bietet: Kopf und Oberkörper werden beim Gehen abgefedert, und dennoch ist sowohl ein aufrechter Gang auf zwei Füßen als auch Sitzen möglich. Unsere Sinnesorgane können ideal eingesetzt werden, eine tiefe Atmung ist möglich.

  • Die Halswirbelsäule krümmt sich leicht nach innen (Lordose), um geradeaus blicken zu können.
  • Die Brustwirbelsäule krümmt sich leicht nach außen (Kyphose), um dem Brustraum Dehnungsfähigkeit zur Atmung zu verleihen.
  • Die Lendenwirbelsäule krümmt sich etwas nach innen (Lordose), um im Zusammenspiel der Rückenmuskeln das Gewicht des Oberkörper nebst Kopf tragen zu können.
  • Das Kreuzbein ist wiederum zusammen mit Steißbein in einer leichten Kyphose gekrümmt, um sitzende Positionen zu ermöglichen.

Wirbelsäule


1. Das Kopfgelenk

Der schwere Schädel aus dicken Knochen und Gehirn (zusammen wiegen sie rund vier Kilogramm) ist auf einem wortwörtlich waghalsigen Konstrukt aus zwei Wirbeln namens Atlas und Axis aufgepfählt. Dieser erste und zweite Halswirbel bilden das Kopfgelenk, das mit einem nach oben zeigenden Zapfen und recht kleinen seitlichen Auflageflächen ausgestattet ist. Zapfen und Auflageflächen tragen den Kopf und machen eine große Vielfalt an Bewegungen möglich, also Drehen, Nicken, Neigen und Rotieren.

Waghalsig ist diese Konstruktion, weil sie ansonsten nur von Muskeln, Sehnen und Haut zusammengehalten wird. Kein Wunder, dass der Nacken schnell verspannt – schließlich ist ein Bruch des Atlas-Axis-Gelenks tödlich. Zum Glück bietet Yoga wunderbare Übungen, die diesen sensiblen Bereich geschmeidig halten.

2. Die Halswirbel

Auch die weiteren fünf Halswirbel sind wie Altas und Axis filigrane Konstrukte, die seitlich mit zusätzlichen kleinen Löchern ausgestattet sind, durch die Blutgefäße vom Herzen zum Hirn geführt werden. Die Einfädelung in die Wirbelknochen verhindert, dass Blutgefäße im engen Bereich des Halses und Kopfs, der sich häufig bewegt (selbst im Schlaf), abgeklemmt werden. Auch das wäre nicht gesund für unser Sein. Schulterdehnungen helfen!


 

Halswirbelsäule


3. Die Brustwirbel

Unterhalb der sieben Halswirbel folgen zwölf Brustwirbel, die im Durchmesser absteigend allmählich doppelt so groß werden wie die filigranen Halswirbel. Sie haben – wie alle Wirbelkörper – je drei Knochenfortsätze (Dorn- und Querfortsätze), an denen zwischen Wirbelsäule und Haut sowie jeweils seitlich Muskelstrukturen ansetzen, die die Bewegungsmöglichkeiten des Rückens in alle Richtungen gewährleisten. Zirka sechs bis sieben Zentimeter ist der Durchmesser eines Brustwirbels – sie alle möchten nicht dauerhaft sitzen, sondern bewegt werden!

4. Die Lendenwirbel

Die Wirbelkörper im untersten noch beweglichen Abschnitt der Wirbelsäule haben einen Durchmesser von acht Zentimetern oder mehr inklusive Dornfortsatz. Auch die Bandscheiben sind entsprechend größer und dicker. In diesem Bereich treten aufgrund unserer überwiegend sitzenden Lebensweise die meisten Stauchungen, Blockaden und Rückenbeschwerden auf. Bewusstes Yoga-Training für Lendenwirbel und Bandscheiben ist präventiv empfehlenswert. 

Probier doch mal diese Yogatherapie-Einheit mit Dr. Ronald Steiner für deine Bandscheiben aus:

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5. Das Kreuzbein

Diese Endpartie der Wirbelsäule war ehemals – als wir noch auf vier Füßen durch die Wälder und Steppen streiften – voll beweglich. Und zwar als Schweif, mit dem man Balance halten oder auch mal um sich schlagen konnte. Aufregung und Anspannung machen sich auch heute noch in diesem Abschnitt der Wirbelsäule bemerkbar, nämlich wenn wir die Pobacken zusammenkneifen vor Angst oder aus Stress. Das Kreuzbein ist ein keilförmiges Konstrukt aus fünf, ehemals beweglichen, Wirbeln.

Das Kreuzbein bildet zusammen mit den knöchernen Beckenschaufeln und dem fünften Lendenwirbel das Iliosakralgelenk. Dieses Gelenk ist kein frei bewegliches Gelenk, sondern nur über sogenannte Knochenhaften verbunden. Jedoch können Verschiebungen der Knochenspalten von nur einem Millimeter bewirken, dass die Hüfthöhe links und rechts unterschiedlich ist, was sich als Skoliose (pathologisch seitliche Verschiebung der Wirbelsäule) ausprägen kann und mangelnde Rückenflexibilität bis hin zu ernsten Rückenbeschwerden verursachen kann.


Iliosakralgelenk Becken


Wenn du mehr über das Iliosakralgelenk erfahren möchtest, empfehlen wir dir unseren Artikel: Bleib geschmeidig: Yoga für das Iliosakralgelenk.


6. Das Steißbein

Dieses winzige Überbleibsel unseres Schweifs ist das Ende unserer Wirbelsäule. Es besteht aus vier bis fünf miteinander verwachsenen Wirbeln. Es wurde im Laufe der menschlichen Evolution nach innen gekrümmt und dient mehr oder weniger als Miniatur-Sitzfläche. Das Steißbein ist ummantelt von prachtvollen Gesäßmuskeln und innerlich unter anderem mit Teilen der Beckenboden-Muskulatur verbunden. Wer einmal unsanft auf den Po gefallen ist, weiß, wie schmerzempfindlich dieser kleine Teil der Wirbelsäule ist.

Physische Erkrankungen der Wirbelsäule

1. Verminderte Flexibilität

Verursacht durch Bewegungsmangel und daraus resultierenden Muskelverspannungen oder -verhärtungen. Verspannte Muskeln drücken auf Nerven- und Blutbahnen, verursachen eine verminderte Durchblutung oder Taubheitsgefühle, beispielsweise in den Händen, wenn der Nackenbereich verhärtet ist.

2. Pathologische Fehlhaltungen

Verursachen die Vergrößerung der natürlichen Krümmungen der Wirbelsäule, die wiederum zu erhöhtem Druck auf die Bandscheiben führen. Folge: Die Ummantelung der Gel-Pads reißt und macht die Bandscheiben förmlich platt.

3. Bandscheibenvorfälle

Bandscheibenvorfälle entstehen, wenn die Gel-Masse auf das Rückenmark drückt („vorfällt”) und entsprechende Schmerzmeldungen oder gar Taubheitsgefühl in den jeweils betroffenen Wirbelsäulen-Abschnitten verursachen. Je nach Graduierung werden Protrusionen (Vorwölbungen einer Bandscheibe) oder Prolaps (massiver Vorfall) vom unbedingt aufzusuchenden Facharzt diagnostiziert. Häufig kann nur eine Operation helfen.

4. Nervenschmerzen

Lädierte Bandscheiben führen zu Abnutzungen der Auflageflächen der Wirbelkörper. Als Folge werden seitlich austretende Spinalnerven eingeklemmt und können nicht mehr einwandfrei als Verbindungsleitungen zwischen Rückenmark und Körperorganen fungieren. Die betroffenen Spinalnerven melden einen Schmerzreiz an das Gehirn. Die Gefahr von chronischen Entzündungen ist gegeben, beispielsweise im Ischiasnerv, der im unteren Lendenwirbelbereich austritt und jeweils seitlich links und rechts bis in die Beine verläuft. Bei einer chronischen Ischialgie werden Schmerzempfindungen entlang des Pos, der Hüfte über die gesamte Beinlänge bis zur Ferse sehr unangenehm. Trotz chronischen Vorkommens sind vorsichtig lockernde Asanas beim Ischias-Syndrom hilfreich.

5. Hexenschuss

Eine unachtsame Drehung, kombiniert mit Beugung (und meist schweißfeuchtem unteren Rücken) ruft die Hexe auf, uns daran zu erinnern, dass diese Bewegung gerade nicht wirbelsäulen- und iliosakralfreundlich war. Ein Nerv wird beim Hexenschuss akut eingeklemmt und muss durch Physiotherapeuten, Massage-Anwendungen, sanfte Bewegung und noch sanftere Yoga-Praxis wieder befreit werden, zum Beispiel durch die einfachste Variante des Krokodils (Makarasana).

6. Wirbel-Fehlstellungen

Es kommt zu einzelnen Wirbel-Fehlstellungen, die sich minimal nach links oder rechts verschieben oder in minimaler Drehung wenden. Diese Vorkommnisse können im gesamten Verlauf der Wirbelsäule auftreten und akut oder dauerhaft Beschwerden im gesamten Körpersystem verursachen (siehe unten „Psychosomatische Auswirkungen”).

7. Skoliose

Fehlstellungen mehrerer, untereinander stehender Wirbel entwickeln sich unter ungünstigen Umständen zu einer Skoliose (seitliche, S-förmige Krümmung der Wirbelsäule nach links oder rechts, häufig im Brustwirbel-Abschnitt). Als Folge einzelner oder mehrerer Wirbel-Fehlstellungen entstehen in der Folge Muskelverhärtungen, da sich die Muskeln stets bemühen, die Wirbelsäule wieder zu begradigen, um den Kopf gerade aufzurichten und so die ungetrübte Wahrnehmung der Sinnesorgane zu gewährleisten.

Psychosomatische Auswirkungen und Heilansätze von Wirbel-Fehlstellungen

„Den richtigen Gebrauch der feinstofflichen Energien lehrt Hatha Yoga. Mit Hatha Yoga können wir die von uns selbst verursachten Krankheiten wieder selbst heilen.”

Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich in „Sport und Yoga”

Jetzt verlassen wir den Pfad der klassischen Wirbelsäulenlehre, der lediglich zwischen gesund und krank, zwischen richtig und falsch, unterscheidet. Wenden wir uns der ganzheitlichen Betrachtungsweise und dem überlieferten Erfahrungswissen rund um die Wirbelsäule zu. Wirbel-Fehlstellungen und -Erkrankungen verursachen außer Rückenschmerzen durchaus weitere Symptome oder Erkrankungen bei inneren Organen. Umgekehrt können Fehlstellungen der Wirbel auch Hinweise auf Fehlfunktionen innere Körperelemente sein. Und – noch spannender – auch emotionale Befindlichkeiten können gegebenenfalls Wirbel-Syndrome verursachen.

Psychosomatisches Yoga

Psyche und Soma sind untrennbar miteinander verbunden – das ist eine Kernbotschaft des Yoga, die mit dem Ziel der Befreiung und dem Zustand des Samadhi die stufenweise Beherrschung der Gedanken- und Gefühlswelt lehrt. Yoga wirkt ganzheitlich und rückverbindend zum ursprünglich mental wie emotional unbelasteten Sein.

Holistisch betrachtet, liegt jeder Erkrankung eine mentale Prägung, ein verdeckter Glaubenssatz, ein emotionales Trauma und feinenergetische Blockaden zugrunde. Solche Blockaden können durch Hatha Yoga und meditative Übungspraxis entdeckt, gemindert und eliminiert werden. Eine ganzheitliche Sichtweise und Praxis offenbart dir als Person, als Yogaschüler*in und als Yogalehrer*in differenziertere Heilungsansätze, um (beispielsweise) Wirbelsäulen-Symptome nachhaltig auszukurieren. Yoga trägt dazu bei, deinen Blick auf dein irdisches Sein und damit auch deinen Körper zu erweitern.

Die Wirbel als Leitfaden zur Erkenntnis

Jeder gesunde und in vorgesehener Ausrichtung eingereihte Wirbel ermöglicht jeweils zwei Spinalnerven den Austritt links und rechts vom Rückenmark. Von hier breitet sich der Nerv in zahlreichen Verästelungen in das Gewebe des Körpers und zu den innenliegenden Organe aus, die jeweils spezifische Funktionen haben. Ist der physisch-energetische sowie der feinstofflich-energetische Kommunikationsfluss durch Wirbel-Fehlstellungen unterbrochen, ist nicht nur die vom Gehirn zum Körper, sondern auch die vom Körper zum Gehirn führende Datenbahn gestört und die Organe – wie beispielsweise Bronchien, Leber oder Hormondrüsen – nehmen ihre spezifischen Aufgaben nur noch eingeschränkt wahr.

So kann exemplarisch ein übersäuerter Magen ursächlich von einer Fehlstellung des sechsten Brustwirbels herrühren oder die Fehlstellung dieses Wirbels eine Magenschleimhautentzündung einläuten. Jeder Wirbel und jeder Spinalnerv haben ihr Hoheitsgebiet, in dem zwischen Weh und Wohl alles möglich ist.

Wirbel für Wirbel: Auswirkungen von Fehlstellungen (fast jeder hat sie!)

1. Der erste Halswirbel (Atlas)

Körperliche Symptome:

  • anhaltende Müdigkeit
  • Schwindel
  • Kopfschmerz oder Migräne
  • Bluthochdruck
  • Durchblutungsstörungen des Gehirns

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • „Kopfmensch”, der alles analysieren will und in der selbst-konstruierten Gedankenwelt gefangen ist
  • alles im Griff zu haben, ist wichtig
  • ausschließliche Ausrichtung auf das Irdische
  • minimierte Harmonie des Kronen-Chakras
  • keine Anbindung zu höheren Dimensionen

2. Der zweite Halswirbel (Axis)

Körperliche Symptome:

  • Sehschwäche oder Augenerkrankungen
  • Ohrenschmerzen
  • Probleme mit Stirn- oder Nasen-Nebenhöhlen

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • etwas nicht sehen wollen
  • Überforderung des Stirn-Chakras durch Dauerbelastung und Dauer-Informationsverarbeitung

3. Der dritte Halswirbel

Körperliche Symptome:

  • Zahnprobleme/-schmerzen
  • Tinnitus
  • unreine Gesichtshaut
  • Gesichtsnerven-Schmerzen
  • Bruxismus (Zähneknirschen)

 Lese-Tipp: Wie Yoga gegen Zähneknirschen hilft


Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Schuldgefühle
  • mangelnde Standfestigkeit
  • mangelnde Selbstliebe
  • will nichts mehr hören

4. Der vierte Halswirbel

Körperliche Symptome:

  • häufiger Schnupfen oder verstopfte Nase
  • Polypen
  • aufgeplatzte Lippen
  • verkrampfte Mundwinkel

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Angst sitzt im Nacken
  • Angst vor Bestrafung
  • ist abgeduckt und innerlich klein

5. Der fünfte Halswirbel

Körperliche Symptome:

  • chronische Erkältungen
  • Halsschmerzen
  • Heiserkeit
  • Probleme mit Stimmbändern

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • mangelnde Redegewandheit
  • Angst, die Wahrheit zu auszusprechen
  • energetische Blockade des Hals-Chakras

6. Der sechste Halswirbel

Körperliche Symptome:

  • häufige Mandelentzündungen
  • Schilddrüsen-Unterfunktion
  • Oberarmschmerzen

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • kann nicht aus sich raus
  • leidet still
  • erträgt Demütungen

7. Der siebte Halswirbel (Prominenz)

Körperliche Symptome:

  • Depressionen
  • Ängste
  • Antriebslosigkeit
  • Entzündungen in Schultergelenken

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • fühlt sich als Opfer des Lebens und unterdrückt
  • unfähig, sich zu wehren

8. Der erste Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Schulterschmerzen
  • Tennisarm
  • Sehnenentzündungen des Unterarms
  • häufige Finger-Taubheit
  • Handgelenks-Beschwerden

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • will alles selbst machen
  • vertraut niemanden
  • überlastet sich
  • will alles festhalten und kontrollieren

9. Der zweite Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Herz-Rhythmusstörungen
  • Schmerzen im Brustkorb

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • mangelnde Lebensfreude
  • fehlende Liebe
  • gestörte Herz-Chakra-Harmonie

10. Der dritte Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Atembeschwerden
  • Bronchitis
  • Husten
  • Asthma
  • Lungenentzündungen

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Beziehungsprobleme
  • stellt stets die eigenen Bedürfnisse zurück
  • kann nicht frei atmen
  • ist meinungslos

11. Der vierte Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Gallen-Erkrankungen
  • Neigung zur Verfettung
  • seitliche Kopfschmerzen

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • hart zu sich selbst
  • trägt Schutzpanzer
  • vernachlässigt eigene, vitale Interessen

12. Der fünfte Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Störungen der Leberstoffwechsels
  • Müdigkeit
  • Gürtelrose
  • Neigung zu Arthritis

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Verbitterung
  • Selbst-Überforderung durch Unnachgiebigkeit
  • unbewusste und unterdrückte Trauer

13. Der sechste Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Sodbrennen
  • Aufstoßen
  • Übersäuerung
  • Magensäure-Inbalance
  • Magenschmerzen
  • Gastritis

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • schluckt viel, ohne sich zu wehren
  • setzt sich belastender Atmosphäre (z. B. am Arbeitsplatz) aus
  • Suchtverhalten

14. Der siebte Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Störungen der Bauchspeicheldrüsen-Funktionen
  • Schwächegefühl
  • Diabetes
  • Vitamin-B12-Mangel durch geminderte Produktion des nötigen Intrinsic-Faktors

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • empfindet permanente Unzulänglichkeit
  • unterdrückte Wut auf andere und die Welt
  • nicht im Fluss mit der äußeren Welt
  • verbietet sich den Genuss des Lebens

15. Der achte Brustwirbel 

Körperliche Symptome:

  • minimierte Immunstärke
  • Milz erfüllt nicht ihre Aufgabe der Abwehr von Erregern und Keimen

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • verliert sich in Sympathie und Antipathie
  • leidet still innen wie außen
  • überlastetes Solarplexus-Chakra

16. Der neunte Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Allergien
  • Neurodermitis
  • trockene, faltige Haut
  • Hornhaut

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • fühlt sich nicht wohl in der eigenen Haut
  • findet sich unperfekt
  • macht sich Sorgen und Selbstvorwürfe

17. Der zehnte Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Nierenprobleme
  • innere Verschlackung
  • Neigung zu Ateriosklerose

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • problematische Beziehungen zu Eltern, Kindern oder Arbeitskollegen
  • fühlt sich am Wohnort nicht geborgen

18. Der elfte Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • Überempfindlichkeit der Haut
  • Psoriasis
  • Neigung zu Ekzemen und Furunkeln

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Unsicherheit
  • Kontaktscheuheit
  • Beziehungsängste

19. Der zwölfte Brustwirbel

Körperliche Symptome:

  • minimierte Dünndarm-Funktion
  • Blähungen
  • Neigung zu Weichteil- oder Knochen-Rheumatismus

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Anhaften an Vergangenem
  • angstvolles Festhalten
  • unfähig zu Neuanfang

20. Der erste Lendenwirbel

Körperliche Symptome:

  • minimierte Dickdarm-Funktion
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • Reizdarm-Syndrom

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • will nichts loslassen
  • klammert sich an Besitz und Partnerschaften oder an Kinder

21. Der zweite Lendenwirbel

Körperliche Symptome:

  • gestörte Blinddarm-Abwehrfunktion (eventuell durch Resektion)
  • Neigung zu Bauchkrämpfen und Übersäuerung

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Panikneigung
  • „Drama-King”/„Drama-Queen”
  • emotionale Starre
  • mentale Bewegungsunfähigkeit

22. Der dritte Lendenwirbel

Körperliche Symptome:

  • Menstruationsbeschwerden
  • Unfruchtbarkeit
  • Schwangerschaftsstörungen
  • Knieschmerzen
  • Blasenschwäche
  • beschwerliche Wechseljahre

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Schuldgefühle
  • fehlende Geborgenheit

23. Der vierte Lendenwirbel

Körperliche Symptome:

  • Ischiasbeschwerden
  • Hexenschuss
  • Beckenboden-Muskelschwäche
  • Blasenschwäche und Harndrang
  • Prostata-Störungen

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Sex-Mangel oder -Unlust
  • sich als Mann nicht männlich fühlen
  • minimierte Sakral-Chakra-Energie

24. Der fünfte Lendenwirbel

Körperliche Symptome:

  • Wassereinlagerung in Beinen und Füßen
  • Durchblutungsstörungen und Krampfadern
  • Neigung zu Wadenkrämpfen

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Gefühl, im Leben nichts erreicht zu haben
  • nicht fähig vorwärtszukommen
  • Stillstand bei gleichzeitiger Bewegungsunlust

25. Kreuzbein

Körperliche Symptome:

  • verspannte, verkrampfte Po- und Beckenbodenmuskulatur
  • Po- und Beinschmerzen

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • Leben wird als schwere Last empfunden
  • Aussitzen von Problemen und Herausforderungen

26. Steißbein

Körperliche Symptome:

  • Schmerzen beim Sitzen
  • Neigung zu Hämorrhoiden
  • Schließmuskel-Verspannung

Mentale oder emotionale Ursachen:

  • mangelende Verwurzelung
  • gestörte Verbindung zur Mutter Erde
  • minimierte Wurzel-Chakra-Durchlässigkeit

Yoga als sanfte Wirbel-Therapie

Deine Wirbelsäule ist ein Wahrnehmungsorgan. Sie erlebt deine Erlebnisse mit dir und lagert deine Gefühle auf feinstoffliche Weise in die Organen deines Körpers ein. Wenn du dich in einem oder mehreren oben aufgeführten Themen zu den einzelnen Wirbeln wiederfindest, empfehle ich dir zum einen, ganzheitliche Fachleute wie beispielsweise Cranio-Sakral-Spezialist*innen, Osteopath*innen, Physiotherapeut*innen oder Heilpraktiker*innen aufzusuchen – und außerdem empfehle ich dir: Yoga, Yoga, Yoga.

Yoga ist ganzheitlich, es verbindet dich mit deiner Urkraft und dient deiner Bewusstheitsentwicklung. Yoga kombiniert dein feinstoffliches Sein als wahrnehmender Mensch mit der Bewusstwerdung deiner Wirbelsäule als Wahrnehmungsorgan. Alle deine Erlebnisse im Erdenleben dienen dir als Erfahrungsschatz und an höherer Stelle als Elemente der Urquelle, die deinen Erfahrungsreichtum allen Wesen im Universum zur Verfügung stellt.

Nichts ist also umsonst, auch Schmerz nicht. Denn alles dient, sobald du es aus dir herausfließen lässt und teilst. Wenn du also mit deiner Yoga-Praxis deine Wirbelsäule aufrichtest, heilst du dich auf allen Ebenen deines Seins – und vielleicht die ganze Welt.

„Der Gottmensch gebraucht den Körper nicht zum Selbstzweck, 
sondern als Offenbarungswerkzeug des Geistes, der selbstlosen Liebe.
Selbstlose Liebe erfüllt den Menschen mit allerhöchsten, feinstofflichen Energien.”

Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich in „Sport und Yoga”

Love and Light und Lebensfreude wünsche ich dir!
Birgit Feliz Carrasco

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