Du verwendest einen veralteteten Browser (Unknown Browser 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Die 4 Yogawege: Alles über Jnana Yoga
Shutterstock

Die 4 Yogawege: Alles über Jnana Yoga

Von Kerstin Linnartz

„Wer bin ich?“ 

„Was ist meine Lebensaufgabe?“ 

„Welchen Sinn hat das Leben?“ 

Diese Fragen stellt sich jede und jeder irgendwann im Leben – und wir YogiNis sowieso. Wir spüren, dass das Leben ein tieferen Sinn hat. Und da sind wir auch schon beim Jnana Yoga: Das Ziel des Jnana Yoga ist es, diesen tieferen Sinn zu verstehen. Als einer der vier großen Yogawege, zu denen auch Karma Yoga, Bhakti Yoga und Raja Yoga gehören, ist Jnana Yoga der „Weg des Wissens”. Warum Jnana Yoga trotzdem nicht nur reine Philosophie ist, wie du es leben und mit praktischem Nutzen in dein Leben integrieren kannst, erklärt dir Kerstin Linnartz.

Alles fängt mit Vedanta an 

Wie viele andere philosophische Richtungen des Yoga basiert auch Jnana Yoga auf der Vedanta-Philosophie. In Indien sagt man, Vedanta kenne die Antworten auf alle Fragen des Lebens. Tatsächlich kannst du mithilfe von Jnana Yoga ganz strukturiert etwa der Frage nach dem Sinn des Lebens nachgehen.

Der große Vedanta-Philosoph Shankaracharya fasste die alten heiligen Schriften wie die Upanishaden und die Bhagavad Gita systematisiert zusammen – und gab deren Essenz in nur drei Sätzen wieder. Diese drei Sätze erklären laut Vedanta-Philosophie den Kern des Lebens.

Die 3 essenziellen Sätze des Jnana Yoga

Sehen wir uns diese drei Sätze genauer an:

1. Brahma Satyam → Brahman allein ist wirklich (Satya).

2. Jagan Mithya → Die Welt, wie wir sie wahrnehmen (Jagad), ist eine Illusion (Mithya).

3. Jivo Brahmaiva Naparah → Das Individuum (Jiva) ist nichts anderes als Brahman allein.

Erscheinen diese Aussagen einem nicht geschulten Geist noch sehr abstrakt, so hilft Jnana Yoga beim Verständnis dieser philosophischen Sichtweise des Lebens. Letzlich sagt der erste Satz, dass Brahman, also die unveränderliche, unendliche Energie, die den Ursprung von allem darstellt, die einzig wirkliche Realität ist. Daraus folgt, dass die äußere Welt eine Illusion ist, vergänglich und stetigem Wandel unterworfen. Wir, jeder einzelne Mensch, können also (vereinfacht gesagt) nur Manifestationen von Brahman sein, der so diese illusorische Welt erleben kann.  

Was für westliche Ohren erst mal sehr fremd klingt, wirkt bei längerem Betrachten mithilfe der vielen verschiedenen Erklärungen, Analogien und Methoden des Vedanta immer logischer. Es bringt eine immer tiefer verankerte Ruhe und ein Urvertrauen mit sich, die dir dabei helfen können, bewusst aus dem Hamsterrad der modernen Welt herauszutreten. Mit Jnana Yoga soll aber keine Realitätsflucht stattfinden, ganz im Gegenteil: Jnana Yoga ist ein weiteres Werkzeug zu einem glücklichen, erfüllten und klaren Leben, das die Welt des Yoga uns schenkt.


Anna Trökes Basis-Meditationsprogramm
Du möchtest dich besser entspannen können und Ruhe, Stabilität und Ausrichtung in deinen Geist bringen? Lerne in 10 Tagen die Basics des Meditierens mit der Yoga- und Meditationsexpertin Anna Trökes.
JETZT ANMELDEN

Die 4 Stufen des Jnana Yoga

Jnana Yoga ist aber nicht nur ein theoretisches, intellektuelles Konstrukt. Sondern ein praktischer Prozess, der sich in vier Stufen vollzieht. Ein Praktizierender, der sein Sadhana (seine spirituelle Praxis) aufrichtig verfolgt und einen guten Lehrer hat, der ihn anleitet, nähert sich dem großen Begreifen mit folgenden Schritten:

1. Hören (Shravana)

Im ersten Schritt zur Erkenntnis hört der Yogi die Lehren und die Weisheit. Tut er dies bei einem verwirklichten (erleuchteten) Lehrer, so erleichtert das seinen Zugang. Dieses Hören kann beim Satsang (einer Zusammenkunft, bei der bestimmte Themen gelehrt und diskutiert werden), während einer Yogalehrer-Ausbildung (zum Beispiel in den Philosophieklassen) oder während des Aufenthalts in einem Ashram geschehen. Viele Jnana-Yoga-Schriften sind übrigens als Gespräche zwischen Meister und Schüler geschrieben.

2. Nachdenken (Manana)

Daraufhin folgt das eigene Nachdenken, die Kontemplation über das Gehörte. Alle weisen Lehrer betonen immer wieder, dass der Schüler hinterfragen, ja sogar zweifeln soll und das Gehörte nicht einfach blind übernehmen. Dies schult die Unterscheidungsfähigkeit und verbessert das Verständnis des Gehörten.

3. Meditieren (Nididhyasana)

Die Meditation als dritte Stufe des Jnana Yoga lässt den Schüler das Gehörte und intellektuell Verstandene als Wahrheit erfahren. Sie öffnet den Zugang zur Intuition, zum Begreifen, zum Verinnerlichen der neuen  Weisheit. Die Meditation kann etwa auf verschiedene Tugenden fokussieren, die du verstehen oder in dir entwickeln möchtest. Das können Eigenschaften wie Mut, Ausgeglichenheit, Nächstenliebe und Ähnliches sein. Parallel zur Meditation wird der Schüler hier beginnen, seine neue Wahrheit in sein Leben zu integrieren. Dies kann sich durch verbesserte Lebensgewohnheiten und eine klarere Sicht aufs Leben zeigen.

4. Verwirklichen (Anubhava)

Im letzten Schritt erfolgt die Verwirklichung. Alle Fragen des Schülers werden voll beantwortet. Der Jnana Yogi erkennt sein eigenes Selbst als die höchste Wahrheit. Tritt durch stetige Praxis dieser Moment der „Erleuchtung“ ein, ist die Belohnung eine unvergleichliche Klarheit und Kraft in allen Lebenssituationen.

Ein steiniger Weg: Die 3 Hindernisse

Natürlich ist dies ein Prozess, der seine Zeit dauert. Es braucht etliche Jahre steter Praxis, Geduld und Disziplin, um die Hürden auf diesem Weg zu überwinden. Es werden Momente kommen, in denen die Praxis anstrengend wird, in denen das Leben dich ablenken will oder Dinge an die Oberfläche kommen, die du tief vergraben hattest. In solchen Momenten geben viele SchülerInnen auf. Entscheiden sich, den Weg des Jnana Yoga zu verlassen. Das ist selbstverständlich legitim. Der yogische Weg soll keinen Stress verursachen, sondern dazu beitragen, dass es dir besser geht – und zwar genau auf dem Level, auf dem du dich gerade befindest.

Sehen wir uns genauer die Hindernisse an, die den meisten Praktizierenden irgendwann im Weg stehen. Die drei Hauptaspekte, die es zu überwinden gilt, sind:

1. Unreinheit (Mala)

Hiermit ist Unreinheit in Körper und Geist gemeint. Beides wird die Schüler von wahrer Erkenntnis abhalten und kann durch yogische Ernährung, Praxis von Asana (Körperübungen), Pranayama (Atemtechniken) und Kriya (Reinigungstechniken) beseitigt werden.  

2.Unruhe des Geists (Vikshepa)

Den unruhigen Geist gilt es, mit Pranayama, Konzentration und Meditation sowie anderen spirituellen Praktiken zu beruhigen. Sie helfen, den Geist klar und ruhig zu machen und so den Weg für wichtige Einsichten zu ebnen.

3. Unwissenheit (Avarana) 

Tiefe Meditation und Kontemplation werden dazu beitragen, dass sich Unterscheidungskraft einstellt. Diese wird mehr und mehr zu Wissen (Vidya) führen.

Dranbleiben lohnt sich!

Ich rate meinen Schülern immer, einen weiteren Schritt auf dem Weg des Yoga zu gehen, wenn sie wirklich bereit sind. Meine Lehrer in Indien formulierten es etwas drastischer:„Enlightenment is not for everyone”, sagten sie. „Only the striving student will reach the goal. So stay insisting and persistant, until you reach the goal.“  

Soll heißen: „Nur wenn du dranbleibst, wirst du das höchste Ziel erreichen.“ Ich kann jedem versprechen: Dranbleiben lohnt sich! Denn sich wirklich dem Weg des Jnana Yoga zu verschreiben, schenkt eine wundervolle Selbstsicherheit und Kraft und nimmt zudem viele Zweifel und Ängste. Das konnte ich bei mir selbst erleben – und sehe es immer wieder bei meinen SchülerInnen.

zurück nach oben