Du verwendest einen veralteteten Browser (Unknown Browser 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Alles über Satsang: Die Yoga-Party
shutterstock

Alles über Satsang: Die Yoga-Party

Von Katharina Goßmann

Hin und wieder fragen mich Freunde, wie ich meine Abende verbringe – so als Yogini, die keinen Alkohol trinkt, nach 19 Uhr nichts mehr isst, laute Musik nicht ertragen kann und Medienkonsum für eine Geißel der Menschheit hält? Ganz einfach: Ich gehe zum Satsang.

Definition: Was ist ein Satsang?

Wörtlich übersetzt bedeutet der Sanskrit-Begriff Satsang „Zusammenkunft mit der Wahrheit” – „sat” lässt sich mit „wahr” oder „weise” übersetzen, „sanga” meint „Zusammenkommen ” oder „Umgang”. Und genau darum geht es im Satsang: Menschen kommen zusammen und versuchen der Wahrheit näher zu kommen. Hier steht also nicht der körperliche Aspekt des Yoga im Vordergrund, sondern der spirituelle. Das Ziel: die Wahrheit zu erkennen – auch bekannt als: Erleuchtung.

In der traditionellen spirituellen Szene wird diese Wahrheit durch den Guru vermittelt. Denn klassischerweise gelten Gurus als erleuchtet – und damit sozusagen als personifizierte Wahrheit. Die Yogis mussten sich also nur um ihren Guru scharen und konnten dann durch dessen Präsenz und Worte die Wahrheit erfahren, also eine „Zusammenkunft mit der Wahrheit” feiern.


Das große Mantra-Programm
Du möchtest alles über Mantras erfahren und dich mit der Schwingung des Klangs in Balance bringen? Dann mach' mit beim viertägigen Mantra-Programm von Anna Trökes und lerne die wichtigsten Mantras aus Hinduismus & Buddhismus kennen.
JETZT ANMELDEN

Heute leben wir in einer deutlich skeptischeren Welt, in der alles hinterfragt wird. In Deutschland gibt es nur sehr wenige „Gurus”, die ihre Anhänger zum Satsang um sich scharen. Stattdessen ist der Satsang in der hiesigen Yogaszene eher eine Gemeinschaftsveranstaltung, während der verschiedene yogische Praktiken und Rituale ausgeführt werden, die den Teilnehmenden helfen sollen, in Kontakt mit ihrer inneren Wahrheit zu kommen. Insofern ist der Satsang ein essenzieller Teil einer jeden spirituellen Praxis und damit auch eines jeden Yoga-Wegs.

Der klassische Satsang-Ablauf

Aber auch im Hier und Heute gibt es bei den meisten Satsangs eine Art Zeremonienmeister. Dieser Satsang-Leiter führt wie gesagt durch eine Abfolge von spirituellen Praktiken. Der Satsang findet meist in einem Raum statt, der sauber und ruhig ist und in dem spirituell gesehen eine gute Energie herrscht – es sollte dort Yoga, Meditation etc. praktiziert werden und nichts anderes. Zudem ist er meist geschmückt mit Statuen von hinduistischen Gottheiten, Blumen etc. So gut wie immer gibt es eine Art Altar sowie ein Podium, auf dem der Zeremonienmeister während des Satsangs sitzt. Meist dauert ein Satsang eine bis zwei Stunde(n), je nachdem wie lange meditiert und über die philosophischen Inhalte gesprochen wird.

1. Meditation

Kein Satsang kommt ohne Meditation aus. Das Meditieren reinigt und fokussiert den Geist und bereitet ihn so darauf vor, sich höheren Inhalten zu öffnen und spirituelle Wahrheiten zu erkennen. Der Zeremonienmeister führt die Teilnehmer in, vielleicht auch durch, die Meditation und beendet sie auch. Welche Meditationsart oder -technik verwendet wird, ob ein Mantra gewählt wird oder ein inneres Bild, ob die Meditation ein Thema hat oder mit Aspekten wie Achtsamkeit oder Atem arbeitet, ist völlig frei.

Dieser Aspekt des Satsangs entspricht dem Raja Yoga, also dem klassischen Yoga-Weg, der die Erleuchtung über die Kontrolle des Geistes erreichen will.

2. Vortrag und Gespräch

Auf die Meditation folgt meist eine Art Vortrag oder Interpretation über ein spirituelles Thema. Häufig wird dazu eine Passage aus einem philosophischen Standardwerk vorgelesen, oder der Zeremoniemeister wählt ein aktuelles Thema aus der Gesellschaft und referiert dazu. Danach können die Teilnehmer Fragen stellen, eventuell entsteht eine Diskussion.

Dieser Teil des Satsangs entspricht am ehesten dem Yoga-Weg der Erkenntnis, Jnana Yoga, bei dem die Erleuchtung über die Auseinandersetzung mit klassischen Schriften erzielt werden soll.

3. Mantras

Satzung Mantra Harmonium

Aber auch Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe, wird beim Satsang praktiziert. Und zwar durch einen Kirtan, also das gemeinsame Chanten von Mantras: Die Zeremonienleiterin oder ein Helfer singt vor, die Teilnehmer singen nach. Der Zeremonienmeister wählt das oder die Mantra, die gesungen werden. Häufig gibt es musikalische Begleitung. Klassisch ist hier das Harmonium, aber Gitarren und jede Art von Trommeln sind auch sehr beliebt.

4. Optionale Elemente: Segnungsrituale, Prasad & Co.

Der Hinduismus ist voll von Ritualen – da sowohl Yoga selbst als auch die Tradition des Satsangs aus Indien kommen, integrieren manche Satsangs hinduistische Rituale.

So kann etwa die Lichtzeremonie Arati Teil des Satsangs sein: Eine Lichtquelle – eine Kerze, Räucherstäbchen oder eine Lampe – werden vor dem Altar geschwenkt, dabei werden spezielle Mantras gesprochen. Das Licht ist eine Gabe an die Götter, symbolisiert aber vor allem Licht und Erleuchtung sowie das Feuer, das alles Negative verbrennt. Das Licht wird dann in Richtung der Teilnehmer gehalten und diese „streifen” es sich über, um ihren Geist zu reinigen.

Satsang Meditation

Oft wird auch zu Ende des Satsangs eine „Opferspeise” an die Teilnehmer verteilt. Dieses sogenannte Prasad (übersetzt: Gnade, Gunst) kann Obst sein, Nüsse oder auch eine selbstgemachte Süßspeise etwa aus Reis, Milch, Honig, Nüssen etc. (hier ein unglaublich leckeres Rezept für indisches Nougat). Wichtig ist nur, dass es vegetarisch ist, sattvig und unter besonders „reinen” Umständen zubereitet wird – sowohl was die Hygiene als auch die innere Energie beim Zubereiten angeht. Viele yogische Köche singen deshalb Mantras bei der Zubereitung von Speisen.

Zu Beginn des Satsangs wird das Prasad als Gabe in eine Schale vor die Statuen der Gottheiten gelegt, nach dem Satsang (oder auch anderen festlichen Ritualen) wird dann die von der Gottheit geheiligte Nahrung an die Teilnehmer verteilt.

Die Geschichte des Satsangs

In Indien war und ist es wie gesagt üblicher als bei uns, einem Guru zu folgen, eventuell sogar für einige Zeit bei ihm zu leben und sich eine Monate oder Jahre seiner spirituellen Entwicklung zu widmen.

Dass sich die Praxis des Satsangs auch im Westen verbreitete, lag vor allem daran, dass in der guten alten Hippie-Zeit, also den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, etliche Gurus auch in der modernen Welt sehr populär wurden. Osho (1931 – 1989) etwa scharte Tausende Jünger um sich und gründete mehrere Ashrams, in denen bis heute der abendliche Satsang Tradition hat (er selbst tritt sogar bei jedem dieser Satsangs auf – wenn auch nur als Videoaufnahme...). Auch H. W. L. Poonja (1910 – 1997), der bekannte indische Vertreter der philosophischen Strömung Advaita, sorgte durch seine Reisen in den Westen und die von ihm abgehaltenen Satsangs dafür, dass sich eine richtige Satsang-Bewegung in der hiesigen spirituellen Szene entwickelte.

Satsang: Yoga-Gottesdienst?

Satsangs haben durchaus einige Parallelen zu einem Gottesdienst: Predigt, Gesang, Altar... Tatsächlich fühlen sich eher Menschen beim Satsang wohl, die ausgeprägt spirituell sind oder einer Religion angehören, also an Gott glauben. Das Ziel der Erleuchtung wird in Indien und hierzulande in traditionellen Yogastilen oft auch gleichgesetzt mit der Nähe zu Gott. Der Eindruck einer quasi-religiösen Zusammenkunft täuscht also nicht.

Aber auch wenn du skeptisch gegenüber Religion und Kirche stehst: Es lohnt sich, mal an einem Satsang teilgenommen zu haben. Meditieren tut immer gut, die Vorträge führen oft zu inneren Erkenntnissen, das Mantrensingen macht Spaß, und auch, wenn es einem exotisch vorkommt: sich Kerzenlicht überzustreifen, schadet nicht. Zudem ist indisches Nougat definitiv leckerer als alles, was deutsche Supermärkte an Süßigkeiten zu bieten haben.

Am Ende ist entscheidend, wie wohl du dich in der Yoga-Gemeinschaft fühlst und wie sehr du den Zeremonienmeister und seine Interpretation der Yoga-Philosophie schätzt. Wenn du für dich aus dem Satsang Erkenntnisse ziehst, dich danach richtig gut fühlst – dann ist so ein Satsang sicher die sinnvollere Abendgestaltung als etwa ein Netflix-Marathon.

zurück nach oben