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10 Fragen an Christiane Wolff
Simone Leuschner

10 Fragen an Christiane Wolff

Von Kristin Rübesamen

Es könnte knochentrocken werden, aber Christiane Wolff schafft es, schulmedizinische Aspekte so in ihren Unterricht zu integrieren, dass ihre Schüler wirklich davon profitieren. Wie aus der einstigen Gymnastiklehrerin eine begnadete Yogalehrerin und Unternehmerin wurde und warum der Yogaweg nie ein Irrweg ist, erzählt sie uns hier.

1. Auf einer Skala zwischen 1 und 10: Wie glücklich bist du jetzt gerade?

Ich messe nicht, ich fühle. Es gibt immer etwas, was mich sehr glücklich macht. Ein Lächeln, eine Blüte in meinem Garten, eine tiefe Meditation, eine Musik, die mein Herz berührt. Für mich ist ein Weg zum Glücklichsein, auch in den Zeiten der Herausforderung die Feinfühligkeit für die schönen Dinge nicht zu verlieren. Das Jahr 2020 ist voller neuer Aufgaben, und ich fühle mich sehr gefordert. Aber die glücklichen Blicke meiner KursteilnehmerInnen, dass wir wieder gemeinsam Yoga in meinem Studio „Flowing Om” praktizieren können, ihr Ausdruck von Dankbarkeit für mein Online-Engagement zu Corona-Zeiten und die große Unterstützung meiner gesamten Familie machen mich auch in stürmischen Zeiten glücklich. Yoga hilft, die schönen Dinge nicht zu verpassen, weil wir lernen, im richtigen Moment nicht die falschen Gedanken zu haben.

2. Wie war dein erster Kontakt mit Yoga?

Vor vielen, vielen Jahren bei meiner Ausbildung zur staatlich geprüften Gymnastiklehrerin. Es war keine besondere Erfahrung. Mit 19 wollte ich tanzen und hatte noch keinen wirklichen Zugang zum Yoga. Es brauchte ein paar Jahre und Erfahrungen, um den Schatz des Yoga zu erkennen.

3. Wie ehrgeizig bist du? Leidest du unter den Ansprüchen, die du dir selbst stellst?

Es macht mir große Freude, meinen Unterricht, meine Ausbildung mit großem Engagement vorzubereiten und zu unterrichten. Ich lege viel Wert auf ausführliche Skripte, einen gut gestalteten Tagesablauf, abgestimmte Dekoration, passende Musik und, und, und. Ich lese viel, bilde mich immer weiter. Ja – ich habe einen großen Anspruch an mich und meine Berufung. Aber es macht mir Freude, und mein Anspruch an mich wird von dem tiefen Wunsch, meine Freude am Yoga zu teilen, genährt. Deshalb fühlt es sich für mich passend an.

4. Warum hast du dich entschieden, Yoga auch zu unterrichten? Was ist das Besondere an deinem Unterricht?

Es gab nicht die Entscheidung, genau jetzt Yoga zu unterrichten. Ich habe Tanz, Fitness und Pilates unterrichtet und in der Therapie gearbeitet. Meine persönliche Yoga-Praxis war so bereichernd, dass ich diese Erfahrungen teilen wollte. Ich glaube, mein Yoga-Unterricht ist geprägt von dieser Liebe zum Yoga und einer erfahrbaren spirituellen Tiefe. Anatomische Klarheit, achtsame Bewegungsführung und eine verbale Ansage im Einklang mit meinem Herzen berühren meine TeilnehmerInnen.

5. Welchen irdischen Besitz schätzt du am meisten?

Meinen kleinen Teddybär, der mich auf allen Reisen begleitet. Wenn ich ihn verlieren würde, hätte ich ein richtiges Problem.

6. Was bedeutet das erste Sutra aus Patanjalis Yoga Sutra, Atha Yoga-anushasanam, für dich?

Eine tiefe Yoga-Erfahrung war für mich, Yoga dort zu erkennen, wo niemand über Yoga spricht. Zu beobachten, dass Menschen „Yoga leben“, ohne die Matte auszurollen. Asanas und Meditation zu praktizieren, kann ein Weg sein, den Zustand von Yoga zu leben, die Wahrheit zu erkennen. Yoga ist die Ausrichtung auf das Jetzt, das In-der-Gegenwart-Sein. Ist der Geist auf das Jetzt ausgerichtet, wenn wir Gegenwärtigkeit üben, dann passiert Yoga.

7. Was hat Yoga mit Liebe zu tun (und warum sind Beziehungen manchmal so schwierig)?

„Man soll über die Liebe nicht sprechen, sondern nur aus Liebe handeln, in Liebe leben.“

Ramakrishna

Die Liebe ist das Einzige, was nicht weniger wird, wenn wir es verschwenden, im Gegenteil: Je mehr wir geben, desto reicher fühlen wir uns. Festgefahrene Verhaltensmuster, verletzende Erlebnisse und Enttäuschungen, die zum Teil vom Tanz der Hormone ausgelöst werden, schaffen häufig eine tiefe Diskrepanz zwischen unserer natürlichen Offenheit und der Fähigkeit, Gefühle zu leben. Ein zunächst als Schutz aufgebauter Panzer um das Herz versperrt den Zugang zu Herzenswärme und Freundlichkeit sich selbst und anderen gegenüber.

Die Yoga-Philosophie führt uns zur Erkenntnis, dass Vergangenes nicht rückgängig zu machen ist. Indem wir uns aber selbst achten und es vermeiden, andere zu verletzen, können wir eine neue Lebensqualität erreichen. Die Liebe, die wir schenken, jedes Handeln in Verbindung mit dem Herzen wird sich in allen Lebenssituationen widerspiegeln. Die Liebe fließt unaufhörlich durch dich, in dir, von dir und wieder zu dir.

Die vier göttlichen Verweilungszustände, Brahmavihara – Karuna, das Mitgefühl, Maitri, die Freundlichkeit, Liebe, Mudita, die Freude, und Upeska, das Verständnis, die Geduld und die Vergebung – schwingen im Herzen. Aus dieser Resonanz gibt es keine Missverständnisse. Kompliziert wird es, wenn der Ich-Macher, Ahamkara, ins Spiel kommt. Wenn wir haben wollen, uns vergleichen und festgefahrene Erwartungen haben.  

8. Wann bist du zuletzt vom Yogaweg abgekommen?

Jeder Umweg, jeder Bogen auf meinem Yogaweg lässt mich wachsen. Die Reflexion und die Innenschau sind Teil des Wegs. Ich habe im Yoga gelernt, „fehlerfreundlich” zu mir zu sein. Dieses wunderbare Wort habe ich von Anna Trökes gelernt.

9. Welche Tugend würdest du am liebsten besitzen?

Es gibt emotionalen Momente und fordernden Situationen, da wünschte ich mir mehr Gelassenheit.

10. Was kann Yoga – und was kann Yoga nicht?

Yoga ist ein Lebensweg, eine Sichtweise. Wir dürfen diesen Weg gehen. Also ist Yoga eher eine Inspiration und ein Geschenk, das das Leben bereichert. Yoga macht glücklich, heilt, lehrt gut zuzuhören, zu fühlen, zu berühren, verbindet, schenkt Bewusstheit und Spiritualität.

Yoga ist ein Prozess und ein Weg. Ich kenne keine Grenzen des Yoga. Aber Yoga kann nicht alles allein. Ich bin dankbar für die moderne, ganzheitliche Medizin, für die Psychotherapie und viele andere, die uns unterstützen können. Aber gerade die Grenzen meiner physiotherapeutischen Behandlungen als Bewegungs-Therapeutin haben mich zum Yoga gebracht. Mein anatomisches Wissen prägt zum Teil auch meinen Yoga-Unterricht. Yoga ist aber mehr. Yoga wirkt wie ein Wegweiser, mit Gefühlen und Herausforderungen besonnen umzugehen. Im Annehmen, Reflektieren und angemessen Reagieren schenkt Yoga Eigenverantwortung und weckt eine Sehnsucht nach einer lebensbejahenden Veränderung.

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