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10 Fragen an Barbra Noh
Barbra Noh

10 Fragen an Barbra Noh

Von Kristin Rübesamen

Down Dog statt Down Under – als ehemalige professionelle Tänzerin kannte Barbra Noh Schmerzen und das Gefühl, nie gut genug zu sein. Als Yogalehrerin brennt sie wie kaum eine andere für intelligente Ausrichtung, Klarheit und Grazie zugleich. Als Mensch spricht sie ihre Schüler immer auch als Menschen an. Vielleicht ist sie deshalb so eine begnadete Lehrerin.

1. Auf einer Skala zwischen 1 und 10: Wie glücklich bist du jetzt gerade?

Das finde ich wirklich spannend, mir zu überlegen, wie ich dem momentanen Zustand eine Zahl zuordnen würde. Ich bin nämlich der Meinung, dass das Leben auch in den besten Zeiten immer eine Lichtseite und eine Schatten- oder dunkle Seite hat. Für mich hängen Glück und die Fähigkeit, in sich Freude zu empfinden, damit zusammen, wie sehr ich in der Lage bin, die dunkle Seite zu integrieren. Wie kann ich mit dieser dunklen Seite koexistieren? Wie kann ich mit dieser dunklen Seite leben?

Denn ich bin der Meinung, dass es nie eine Zeit in unserem Leben gibt, in der nichts los ist. Es ist immer etwas los – entweder beruflich oder im Privaten, Zwischenmenschlichen, Beziehungsbereich oder im Gesundheitsbereich. Wir befinden uns fast nie in einer Zeit, in der in jedem Bereich unseres Lebens alles stimmt. Wenn wir also in der Lage sind, die dunkle Seite, das, was gerade schwierig oder unangenehm ist, zu integrieren und damit auch gut leben zu können, bestimmt das unser Glück.

Persönlich bewege ich mich im Moment definitiv in den höheren Glückszahlen, ich sag mal: acht.

2. Wie war dein erster Kontakt mit Yoga?

Der allererste Kontakt war als Kind. Im Fernsehen lief bei uns eine Sendung, in der eine indische Frau in einem Catsuit irgendwas geturnt hat. Später hat eine Kollegin von mir in meiner Tanzgruppe vor der Aufführung Atemübungen gemacht. Ich habe sie dann gefragt, was sie da mache und wofür das gut sei. Sie erklärte mir, dass das Yoga sei und dass es ihr dabei helfe, sich zu fokussieren und zu zentrieren.

In meiner allerersten Yogastunde bin ich tatsächlich auf dem Boden eingeschlafen. Offenbar war ich sehr erschöpft. Später, in einer weiteren Stunde, kam ich aus dem Shavasana hoch und war zum ersten Mal in meinem Leben vollkommen in Frieden mit mir selbst und der Welt. Da begann meine Sucht nach Yoga, denn ich wusste: Ich möchte mich jeden Tag so gut fühlen. Ich fand es spannend, dass ich nach dem Yoga nicht erschöpft war, sondern mich aufgetankt und energetisiert gefühlt habe. Und meine Sicht auf mich und die Welt war viel großzügiger, viel einfühlsamer.

3. Wie ehrgeizig bist du? Leidest du unter den Ansprüchen, die du dir selbst stellst?

Ich bin Sternzeichen Jungfrau, von meiner Dosha-Dominanz Pitta und im Enneagram-System bin ich der Persönlichkeitstyp 1, also Perfektionistin/Reformerin, diejenige, die alles verbessern will. Meine Eltern sind beide Überflieger, die in ihrem Leben beruflich extrem viel erreicht haben. Leider bin ich also dazu prädestiniert, ziemlich hohe Ansprüche an mich selbst zu stellen.

Ich habe aber gelernt, weniger selbstkritisch zu sein und mir selbst leichter verzeihen zu können. Und ich messe meinen Wert als Mensch nicht an meiner Leistung oder den üblichen Ideen von beruflichem Erfolg. Für mich ist ein erfolgreicher Mensch derjenige, dem es gelingt, jeden Tag so zu gestalten, dass er glücklich ist. Ich bewundere die Menschen, die es geschafft haben, ihr Leben so zu gestalten, dass sie sich hauptsächlich mit Dingen beschäftigen, die sie lieben.

Was das angeht, bin ich also wahrscheinlich schon ehrgeizig. Ich wünsche mir sehr, mein Leben weiterhin so zu gestalten, dass ich mich fast nur mit Dingen beschäftige, die ich liebe und die mich glücklich machen.


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4. Warum hast du dich entschieden, Yoga auch zu unterrichten? Was ist das Besondere an deinem Unterricht?

Ich habe mich nie entschieden, Yoga zu unterrichten, sondern ich wurde darum gebeten. Als ich selbst mit Yoga angefangen habe, hat es mein Leben stark verändert. Diese Veränderung haben die Menschen um mich herum gespürt, sie haben gesehen, wie ich täglich praktiziere. Daraufhin haben sie mich gebeten, sie auch im Yoga zu unterrichten. Befreundete Physiotherapeuten haben mich ebenfalls gebeten, in ihren Praxen Yoga zu unterrichten. So hat sich das entwickelt.

Was das Besondere an meinem Unterricht ist, das müsste man meine Schüler fragen. Was ich von ihnen höre, ist, dass sie die Klarheit meines Unterrichts als besonders empfinden. Außerdem machen der Aufbau meiner Stunden und meine Art und Weise zu unterrichten es ihnen leicht zu folgen. So können sie gute Fortschritte in ihrer Praxis erzielen. Sie fühlen sich durch meine Anleitungen und meine Beispiele aus dem Unterricht gut unterstützt. Was ich in den letzten Jahren auch immer öfter höre, ist, dass meine Themen sehr menschlich sind und die Beispiele aus meinem Alltag, wie ich Yoga und die Yoga-Philosophie anwende, den Schülern sehr helfen. Auch mein Humor scheint hier eine Unterstützung zu sein.

5. Welchen irdischen Besitz schätzt du am meisten?

Ich habe eine wunderschöne Statue von Shiva als Tänzer, und ich liebe den Mythos um die Figur Nataraja. Dazu veranstalte ich auch bald einen Workshop auf meiner Website, in dem ich den Mythos erkläre.

Von meiner letzten Indienreise habe ich Lampen mitgebracht, die gar nicht wie Lampen aussehen. Es sind kleine, wunderschöne Gefäße aus Messing, in die man einen Docht aus Watte und etwas Sesamöl tut. Die Flamme und das herrliche, goldene Licht dieser Lampen sind wirklich wunderschön, besonders für die Meditation.

6. Was bedeutet das erste Sutra aus Patanjalis Yoga Sutra, Atha Yoga-anushasanam, für dich?

Für mich bedeutet das Sutra „jetzt“. Nicht morgen, nicht irgendwann, sondern jetzt leben wir Yoga. Jetzt praktizieren wir Yoga. An sich bedeutet der Text ja: „Jetzt wird Yoga erklärt“, und das impliziert, dass vorher etwas anderes war, eine Vorbereitung stattgefunden hat und du jetzt so weit bist. Das gilt für unsere Praxis und die Art und Weise, wie wir Yoga als Sicht auf die Welt in jeden neuen Tag mitnehmen. Wir wenden es jeden Tag frisch, neu und vor allem jetzt wieder an.

7. Was hat Yoga mit Liebe zu tun (und warum sind Beziehungen manchmal so schwierig)?

Traditionellerweise hat Yoga nicht viel mit Liebe zu tun. Es ist eher eine moderne Entwicklung, dass Yoga den Schwerpunkt immer mehr auf die Gemeinschaft, die Kula, und Liebe und Beziehungen legt. Diese Entwicklung finde ich auch in Ordnung, sie ist eine Antwort darauf, dass die Menschen immer isolierter leben. Viele wohnen in großen Städten, und es gibt kaum etwas Einsameres als das Leben in der Großstadt voller Menschen. Früher gingen die Leute in die Kirche oder hatten ihre Gemeinschaft in einer anderen Form, etwa als Großfamilie. Heute leben viele Menschen weit weg von ihrer Kernfamilie und suchen eine neue Familie, eine Kula, eine selbst gewählte Familie des Herzens.

In der Tradition war Yoga eher ein Sich-Zurückziehen aus der Familie und von den Menschen. Und heute, mit unserem modernen Leben, ist das oft nicht unser Ziel, sondern wir wenden Yoga als Praxis an, um selbst so viel Klarheit in uns zu finden, dass wir in zwischenmenschlichen Beziehungen besser werden. Und ich glaube auch wirklich, dass wir mit Yoga unsere Beziehungsfähigkeit verbessern. Wir können harmonischere, aufrichtigere und klarere Beziehungen führen. Das alles beginnt mit der inneren Arbeit, die wir beim Yoga praktizieren.

Und Beziehungen sind manchmal so schwierig, weil wir alle ganz schön viel Zeug aus unserer Kindheit mit uns mitschleppen. Unser Gehirn, unser Nervensystem ist darauf geprägt, auf bestimmte Dinge zu überreagieren. Wir sehen die Welt durch einen bestimmten Filter, wir erleben die Realität sehr subjektiv. Yoga zeigt uns einen Weg, die Realität etwas klarer zu sehen. Die Yoga-Tradition klärt über diese verschiedenen Verschleierungen und Limitierungen, etwa die Kleshas, auf, die uns davon abhalten, die Realität so zu sehen, wie sie wirklich ist. Mit Yoga können wir diese Verschleierungen ein wenigen lichten und aufräumen, um so klarer in unseren Reaktionen und dann letztlich auch in unseren Beziehungen zu sein. Wir kennen das alle: Wenn uns jemand sehr triggert und wir eine bestimmte Beziehung als sehr schwierig erleben, hat es meistens sehr viel mehr mit uns zu tun als mit der anderen Person.

8. Wann bist du zuletzt vom Yogaweg abgekommen?

Mein Verständnis des Yogawegs ist eine Einstellung dem Leben gegenüber. Es hat nichts damit zu tun, wie viel ich meditiert habe und wie viele Asanas ich geübt habe. Es ist ein Versprechen mir selbst gegenüber, dem Leben auf eine bestimmte Art und Weise zu begegnen, nicht zu vergessen, dass ich Teil von etwas bin, das größer ist als ich selbst. Deswegen kann ich sagen, dass ich niemals vom Yogaweg abgekommen bin, seit ich mit Yoga angefangen habe. Yoga begleitet mich immer, und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

9. Welche Tugend würdest du am liebsten besitzen?

Ich bin leider sehr ungeduldig, ich wäre also gern geduldiger. Und noch viel wichtiger: Vertrauen in das Leben, die Fähigkeit, sich dem Leben vollständig hinzugeben. Denn dann wäre ich glaube ich automatisch geduldiger (lacht).

10. Was kann Yoga – und was kann Yoga nicht?

Yoga kann nichts für uns tun – es sei denn, wir übernehmen die Verantwortung für uns und unternehmen irgendetwas. Yoga ist aktiv. Passiv wäre es, mir eine Massage zu buchen. Das ist durch die Entspannung nährend für das Nervensystem und tut gut. Aber ich muss mich nur auf den Tisch legen. Beim Yoga dagegen muss ich aktiv sein, und darin liegt ein großes Potenzial für Veränderung. Yoga bietet uns viele Praktiken für den Geist, die durch Atem- und Körperübungen unterstützt werden. Der Körper wird hier als Tor zu unserem Inneren gesehen. Es bleibt uns aber nicht erspart, diese Dinge selbst zu tun. Yoga kann uns nicht automatisch heilen, retten oder unsere Probleme lösen. Es ist ein Gerüst, etwas, das wir tun können, um die Verantwortung für unsere Gesundheit, unser Glück zu übernehmen. Yoga kann nur so viel für uns tun, wie wir bereit sind, selbst aktiv zu werden und zu praktizieren.

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